Portal für Politikwissenschaft

Bertram Triebel

Die Partei und die Hochschule. Eine Geschichte der SED an der Bergakademie Freiberg

Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2015 (Freiberger Forschungen zur Wissenschafts- und Technikfolgengeschichte 1); 277 S.; hardc., 33,- €; ISBN 978-3-86583-951-0
Geschichtswiss. Diss. Freiberg; Begutachtung: H. Albrecht, G. Heydemann. – Die Partei hat immer recht – dieses Selbstverständnis habe die SED auch an der einzigen Montanhochschule der DDR, der Bergakademie Freiberg, seit 1946 durchgesetzt. Die dort gegründete Parteiorganisation „verkörperte das Machtzentrum“ (11) der Hochschule, urteilt Bertram Triebel, der SED‑Verband habe sich in Forschung und Lehre, aber auch in Personalentscheidungen eingemischt. Die bisherige historische Forschung sei allerdings auf Konfliktfälle zwischen der mächtigen SED und Hochschulangehörigen konzentriert gewesen, der Hochschulalltag sei bisher wenig analysiert worden. Der Autor untersucht daher in seiner Dissertation, wer die SED an der Bergakademie war und wie sich ihre Herrschaft dort gestaltete. Für seine Forschung unternahm Triebel umfangreiche Archivrecherchen und führte 51 Zeitzeugeninterviews mit ehemaligen Studierenden und Funktionären. Demnach beeinflusste die SED die Hochschule 43 Jahre lang maßgeblich. Bis in die 1960er‑Jahre hinein sei die Parteiorganisation jedoch eine „schwache mächtige Partei“ (75) gewesen, da „arbeitsfähige Strukturen, ein großer Kreis engagierter Mitglieder und eine planmäßig handelnde Führung“ (74) gefehlt hätten. Vor allem über Gesetze und Beschlüsse höherer Ebenen in Partei und Verwaltung sei es trotzdem gelungen, Macht auszuüben. Nach dem Bau der Mauer habe die SED dann weniger Rücksicht auf eventuell auswanderungswillige Studenten und Wissenschaftler nehmen müssen und ihre Herrschaft festigen können. Wer die Prinzipien der „‚sozialistische[n] Hochschule‘“ (178) verletzt habe, habe oft die „Macht der Diktatur“ (178) zu spüren bekommen, indem er etwa mit Entlassung oder Exmatrikulation bedroht worden sei. Als Verstoß habe beispielsweise bereits das öffentliche Tragen eines Friedenssymbols der evangelischen Kirche gegolten. Triebel resümiert, dass spätestens ab 1970 die SED „keinen Fremdkörper an der Bergakademie Freiberg“ (259) dargestellt habe. Präsenz und Herrschaft der Parteiorganisation seien alltäglich geworden. Die Dissertation entstand im Rahmen des Graduiertenkollegs „Geschichte der TU Bergakademie Freiberg im 20. Jahrhundert“, das anlässlich des 250. Jubiläums der Hochschule begründet wurde. Die dort entstanden Studien werden in der ebenfalls zur Gründungsfeier neu geschaffenen Buchreihe „Freiberger Forschungen zur Wissenschafts‑ und Technikgeschichte“ veröffentlicht, für die Triebels umfassendes und gut geschriebenes Buch den Auftakt bildet.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Bertram Triebel: Die Partei und die Hochschule. Leipzig: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39711-die-partei-und-die-hochschule_48173, veröffentlicht am 26.05.2016. Buch-Nr.: 48173 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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