Portal für Politikwissenschaft

Thomas Hobbes' körperbasierter Liberalismus

Eva Helene Odzuck

Thomas Hobbes' körperbasierter Liberalismus. Eine kritische Analyse des Leviathan

Berlin: Duncker & Humblot 2016 (Beiträge zur Politischen Wissenschaft 184); 316 S.; 71,90 €; ISBN 978-3-428-14748-9
Diss. Erlangen‑Nürnberg; Begutachtung: C. Kaufmann. – „Ein neuer ‚Turn‘ hat die Wissenschaften erreicht: der body turn.“ (13) Die Autorin transformiert diesen Ansatz dahingehend, „dass nicht so sehr Sprache, Recht und Vernunft, sondern die tieferliegende Entscheidung, Politik vom Körper her zu denken, der geeignete Ausgangspunkt ist, um Hobbes [...] zu verstehen.“ (13) Sie unternimmt es also, „den Körper als zentralen Ausgangspunkt von Politik zu betrachten“. (35) Dabei gelingt es schlüssig, den Hobbes‘schen Kontraktualismus – die Idee des Naturzustandes, das Konzept der natürlichen Gesetze und die Theorie der Herrschaftsautorisierung – aus dem Grundgedanken des Schutzes der körperlichen Unversehrtheit zu entwickeln, denn, in Hobbes‘ eigenen Worten, „die Menschen leben in Staaten letztlich allein mit dem Ziel und der Absicht, dadurch für ihre Selbsterhaltung zu sorgen und ein zufriedeneres Leben zu führen“ (134). Der Kontraktualismus ist dafür die zweckmäßigste Organisationsform. Hat der Liberalismus deshalb seine Wurzel stärker in einer Gleichheits‑ und Friedensordnung oder in einer latenten menschlichen Vorteilssuche und Gewaltbereitschaft? Die Antwort liegt nicht im „oder“, sondern im „und“. Dabei eröffnet Hobbes die Perspektive, dass bei aller menschlichen Ambivalenz die Fähigkeit heraussticht, Recht und Unrecht zu unterscheiden. „Mit Hobbes wäre also ein Liberalismus denkbar, der nicht nur die durchaus positive äußere Freiheit schützt, sondern der den Menschen auch davor bewahrt, dass ihnen Wahrheiten und Handlungsregeln durch die Dezision einer öffentlichen Vernunft vorgeschrieben werden müssen.“ (305) Die Dissertation von Eva Helene Odzuck trägt damit nicht nur dazu bei, das Hobbes‑Bild zu differenzieren, sondern ebenso das Konzept der liberalen Demokratie neu zu durchdenken.
Klaus Kremb, Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
Rubrizierung: 5.32 Empfohlene Zitierweise: Klaus Kremb, Rezension zu: Eva Helene Odzuck: Thomas Hobbes' körperbasierter Liberalismus. Berlin: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39664-thomas-hobbes-koerperbasierter-liberalismus_48319, veröffentlicht am 04.05.2016. Buch-Nr.: 48319 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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