Portal für Politikwissenschaft

Georg Jellinek: Allgemeine Staatslehre und Politik

Sascha Ziemann / Andreas Funke (Hrsg.)

Georg Jellinek: Allgemeine Staatslehre und Politik. Vorlesungsmitschrift von Max Ernst Mayer aus dem Sommersemester 1896

Tübingen: Mohr Siebeck 2016; XXXVIII, 104 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-16-154229-9
Einen kleinen Schatz aus der Zeit, in der „eine Verwissenschaftlichung der Politik ein[setzte], ohne dass es schon eine Politikwissenschaft gegeben hätte“ (XXVII), haben Sascha Ziemann und Andreas Funke gehoben. Es handelt sich um die Mitschrift der Vorlesung „Allgemeine Staatslehre und Politik“, die der Staatsrechtler Georg Jellinek ab dem Sommersemester 1892 in Heidelberg hielt. Angekündigt wurde sie für Juristen und Philosophen, 1896 schrieb sie Max Ernst Meyer, Student der Philosophie, mit. Bemerkenswert ist noch der Hinweis der Herausgeber, dass Jellinek seine Vorlesung auch für Frauen öffnete, lange bevor sich diese überhaupt immatrikulieren durften. Die Vorlesung „Allgemeine Staatslehre und Politik“ entwickelte Jellinek vor der Veröffentlichung seines später zum Klassiker avancierten Werkes „Allgemeine Staatslehre“. Seine Ausarbeitungen spielten für die Genese der späteren Politikwissenschaft „direkt und in Vermittlung über die Staatssoziologie Max Webers eine nicht unerhebliche Rolle“ (XXVII), schreiben Ziemann und Funke und distanzieren sich damit von einem nur juristischen Verständnis des Themas. Die Vorlesung selbst besticht durch ihre klare Gliederung, im allgemeinen Teil wird das Wesen des Staates festgestellt, als historische Beispiele dienen die österreichischen Länder, Elsaß‑Lothringen und Kanada, denen die Merkmale eines Staates fehlten. Im „Speziellen Teil“ geht es um die Organe und Funktionen des Staates sowie um Staatsformen. Die Herausgeber erinnern daran, dass bei der Niederschrift der „Allgemeinen Staatslehre“ in Europa die „Staatlichkeit als nationale Erscheinung“ (XXXIII) gerade erst selbstverständlich geworden war. Jellineks juristische Betrachtung politischer Herrschaft könne aber nicht nur aus historischem Interesse gelesen werden, sondern sei nach wie vor auch als Inspiration für die Forschung zu verstehen.
Natalie Wohlleben, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.335.41 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Sascha Ziemann / Andreas Funke (Hrsg.): Georg Jellinek: Allgemeine Staatslehre und Politik. Tübingen: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39660-georg-jellinek-allgemeine-staatslehre-und-politik_48189, veröffentlicht am 04.05.2016. Buch-Nr.: 48189 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...