Portal für Politikwissenschaft

Die Europäische Union in multilateralen Verhandlungen

Andreas Isensee

Die Europäische Union in multilateralen Verhandlungen. Ansätze für eine systematische Erfolgsmessung

Berlin: Lit 2015 (Heidelberger Studien zur internationalen Politik 13); 432 S.; 44,90 €; ISBN 978-3-643-12712-9
Politikwiss. Diss. Heidelberg; Begutachtung: F. Pfetsch, R. Hrbek. – „Europas Verhandeln auf der Weltbühne gleicht einem Theaterstück.“ (VII) Die EU inszeniere sich darin in der Rolle eines Helden, der das Gute verteidige, schreibt Andreas Isensee, der selbst die Rolle des Kritikers übernimmt. Er will bewerten, wie erfolgreich die Verhandlungsweise der EU angesichts ihres eigenen normativen Anspruchs in der Vergangenheit war. Isensee entwickelt für diese Erfolgsmessung ein Modell, mit dem komplexes Verhandlungsgeschehen strukturiert und eingeordnet werden soll. Methodisch setzt er auf einen qualitativen Forschungsprozess, vor allem auf Fallstudien ausgewählter Verhandlungen sowie auf Experteninterviews. Als zu untersuchende Fälle wählt er Verhandlungen zu den Themen Klimaschutz, G20‑Finanzmarktregulierung sowie Debatten um die „Aufwertung der EU‑Partizipationsrechte in der Generalversammlung der Vereinten Nationen“ (94). Gerade der Klimaschutzprozess mit seinen zahlreichen Gipfeln werde in der Öffentlichkeit als eher weniger erfolgreich und zäh wahrgenommen. Der Autor urteilt anders: „Bei jeder Vertragsstaatenkonferenz ist ein Abschlussdokument verabschiedet worden, das den Klimaschutz voranbringt“ (178). Er differenziert jedoch, dass die Verhandlungsleistung der EU erheblich geschwankt habe. Der G20‑Gipfel habe sich als ungeeignetes Forum zur Lösung der Staatsschuldenkrise im Euroraum erwiesen – schon deshalb, da nur drei der beteiligten Staaten für diesen Raum überhaupt „sprechfähig“ (266) gewesen seien. Eine Schlussfolgerung der komplex angelegten Arbeit von Isensee ist, dass die EU in Zukunft weniger auf bestimmte kompetitive Verhandlungsformen setzen sollte. Trotz kurzfristiger Nachteile ergäben sich durch kooperativeres Verhalten Zugewinne an Vertrauen und Glaubwürdigkeit, die sich laut Autor letztlich „in Form eines größeren Einflusses in multilateralen Verhandlungen auszahlen“ (334) würden.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 3.64.34.434.45 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Andreas Isensee: Die Europäische Union in multilateralen Verhandlungen. Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39612-die-europaeische-union-in-multilateralen-verhandlungen_47175, veröffentlicht am 21.04.2016. Buch-Nr.: 47175 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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