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Wandel im Journalismus autoritärer Regime

Judith Pies

Wandel im Journalismus autoritärer Regime. Das Beispiel Jordanien

Bielefeld: transcript Verlag 2015 (Kultur und soziale Praxis); 415 S.; 49,99 €; ISBN 978-3-8376-3139-5
Diss. Erfurt, Begutachtung: K. Hafez, S. Fengler. – Der Arabische Frühling hat nicht nur zu einem Umsturz autoritärer Regime geführt, sondern durch Nachrichtensender wie Al Jazeera oder soziale Netzwerke auch den Journalismus in der Region herausgefordert. Bedingungen und Indikatoren eines möglichen Wandels des Journalismus in Autokratien auszuloten, ist das erklärte Ziel von Judith Pies. Am Beispiel Jordaniens, das sich in einem „Wechselspiel zwischen Öffnungsschritten und Restriktionen“ (28) befindet, wird gezeigt, wie die journalistischen Akteure die gezielten normativen Veränderungsversuche des Königshauses bewerten und sich ihnen gegenüber positionieren. Die grundlegende These der Autorin besteht darin, dass veränderte Strukturen nicht nur handlungsbeschränkend, sondern ‑ermöglichend gedacht werden müssen und gesellschaftliche Entwicklungen in einem interdependenten Verhältnis zum Journalismus stehen. Zentrale Erkenntnis der Analyse ist, dass ein Wandel des Feldes dann stattfinden kann, wenn seine Akteure kreativ mit den veränderten Rahmenbedingungen umgehen, mit unterschiedlichen journalistischen Praxen experimentieren und neue Akteure die sich eröffnenden Nischen des Feldes besetzen. Das zeigt sich in Jordanien etwa in der erstmaligen Ausrichtung der medialen Angebote am Publikum und durch die partizipative Einbindung der Bürger_innen. Im Rahmen von Bourdieus Feldtheorie konstruiert die Autorin ein komplexes methodisches Vorgehen, mit dem sie qualitativ sowohl den sich veränderten normativen Kontext zwischen 1989 und 2007 in Form von Gesetzen und Kodizes inhaltsanalytisch untersucht als auch die Reaktion der journalistischen Akteure darauf durch Experteninterviews in den Blick nimmt. Anhand der Normen Wahrheit, Freiheit und Verantwortung werden diese zwei Indikatoren zusammengeführt und fünf Idealtypen von Journalist_innen herausgestellt, die die spezifische Praxis im journalistischen Feld veranschaulichen. Die Untersuchung ist daher nicht nur für Wissenschaftler_innen mit Fokus auf die Region oder die Medien interessant, sondern kann auch als Beispiel für eine geistreiche und produktive Methodik gelesen werden.
Sven-Jacob Sieg, M. A., Sozialwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.632.22 Empfohlene Zitierweise: Sven-Jacob Sieg, Rezension zu: Judith Pies: Wandel im Journalismus autoritärer Regime. Bielefeld: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39488-wandel-im-journalismus-autoritaerer-regime_47919, veröffentlicht am 03.03.2016. Buch-Nr.: 47919 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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