Portal für Politikwissenschaft

Southern Europe?

Martin Baumeister / Roberto Sala (Hrsg.)

Southern Europe? Italy, Spain, Portugal, and Greece from the 1950s until the present day

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2015; 252 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-50482-7
Gibt es – ökonomisch gesprochen – eine ‚southern disease‘? Diese Frage steht zwar nicht im Fokus, wohl aber im Hintergrund dieses Sammelbandes. Denn die Autor_innen fragen keineswegs zufällig in dieser Zeit, ob es ein „Südeuropa“ (14) mit gemeinsamen politischen, sozio‑kulturellen und wirtschaftlichen Eigenschaften gibt, die womöglich sogar für die gegenwärtige fiskalpolitische Krise in dieser Region verantwortlich sein könnten. Letzteres steht, wie gesagt, im Hintergrund, und wird – etwa im Beitrag von Martin Rhodes zur Frage eines südeuropäischen Gesellschaftsmodells – auch explizit angesprochen. Tatsächlich sieht er in der generell schwachen Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Ökonomien von Griechenland, Italien, Spanien und Portugal – auf diese vier Länder beziehen sich alle Beiträge des Bandes – einen gemeinsamen Grund für deren gegenwärtige Schwäche. Allerdings, so betonen Andrea Ginzburg und Annamaria Simonazzi, müsse gerade mit Blick auf den Prozess der Industrialisierung zwischen dem „latecomer“ Italien und den drei anderen Staaten als „late‑late‑comers“ (106) unterschieden werden. Generell heben sie darauf ab, dass es weniger binnenstrukturelle Gründe sind, welche die problematische Situation in diesen Ländern erzeugt haben, sondern ihr Verhältnis zu „Kerneuropa“ (worunter nicht selten allein Deutschland verstanden wird, 108). Die anderen Autor_innen konzentrieren sich in ihren Beiträgen auf die Rolle der Arbeitsmigration für die südeuropäischen Gesellschaften (Russel King), die Frage, ob Südeuropa ein eigenständiges Sozialstaatsmodell darstellt (Claude Martin) oder die Betrachtung Südeuropas aus historischer Perspektive (Patrica Hertel, Martin Baumeister, Roberto Sala). Der Band endet mit zwei Beiträgen zur Rolle Südeuropas in internationaler Perspektive (Guido Franzinetti, Massimo Piermattei). Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Autor_innen ungeachtet aller durchaus benannten nationalstaatlichen Unterschiede zu dem Schluss kommen, dass „Südeuropa“ als analytisches Konzept durchaus seinen Wert hat.
Sven Leunig, Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 2.612.23.14.43 Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Martin Baumeister / Roberto Sala (Hrsg.): Southern Europe? Frankfurt a. M./New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39486-southern-europe_47905, veröffentlicht am 03.03.2016. Buch-Nr.: 47905 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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