Portal für Politikwissenschaft

Legitimation durch Beteiligung

Carsten Herzberg

Legitimation durch Beteiligung. Stadt- und Wasserwerke in Deutschland und Frankreich

Hamburg: VSA 2015; 172 S.; 12,80 €; ISBN 978-3-89965-670-1
Kommunale Unternehmen wurden von Eigen‑ und Regiebetrieben zu GmbHs und Aktiengesellschaften entwickelt, um den Anforderungen einer auf Effizienz und Wettbewerb ausgerichteten Wirtschaft gerecht zu werden. Damit jedoch, so stellt der Politologe Carsten Herzberg fest, verselbstständigen sich die Unternehmen, da nur noch ein kleiner Kreis von Mandatsträger_innen Zugang zu den Kontrollgremien hat und eine demokratische Kontrolle somit kaum mehr vorhanden ist. Forderungen und Kritik sozialer Bewegungen können nicht aufgenommen werden, damit entsteht ein Legitimationsdruck. Ausgehend von Erkenntnissen aus der Partizipationsforschung und Erfahrungen aus der öffentlichen Verwaltung, in der mehr Beteiligung von Mandatsträger_innen und Bürger_innen an der demokratischen Kontrolle zu einer neuen Form der Legitimation geführt hat, fragt Herzberg, ob auch in öffentlichen Unternehmen eine solche Legitimation durch Beteiligung entstehen kann. Er untersucht fünf Wasserwerke in Deutschland und Frankreich, die sich alle darin unterscheiden, wie stark Mandatsträger_innen und Bürger_innen einbezogen sind. Er kommt zu dem Ergebnis, dass durch deren Beteiligung „eine Akzeptanz entsteht, die den öffentlichen Sektor stärken könnte. Dafür wäre es nötig, dass angesichts der Ökonomisierung öffentlicher Unternehmen ihr hybrider Charakter betont und politischen Logiken wieder mehr Raum gegeben wird“ (149). Um mehr Akzeptanz zu schaffen, eignen sich nach Herzberg vor allem zwei Modelle, die er als Modell des „Kommunikativen Dienstleisters“ und als Modell des „Partizipativen Unternehmens“ bezeichnet. Im Modell des „Kommunikativen Dienstleisters“ werden Mandatsträger_innen aller Fraktionen eingebunden und Bürger_innen über Kundenforen zumindest in einen Dialog mit dem Unternehmen einbezogen. Das Modell des „Partizipativen Unternehmens“ geht sogar noch darüber hinaus, indem auch organisierte Bürger_innen zentral eingebunden sind und über Entscheidungskompetenz verfügen.
Jessica Burmester, M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.212.612.325 Empfohlene Zitierweise: Jessica Burmester, Rezension zu: Carsten Herzberg: Legitimation durch Beteiligung. Hamburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39460-legitimation-durch-beteiligung_47955, veröffentlicht am 25.02.2016. Buch-Nr.: 47955 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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