Portal für Politikwissenschaft

Der NSU in bester Gesellschaft

Sebastian Friedrich / Regina Wamper / Jens Zimmermann (Hrsg.)

Der NSU in bester Gesellschaft. Zwischen Neonazismus, Rassismus und Staat

Münster: Unrast 2015 (Edition DISS); 168 S.; 18,- €; ISBN 978-3-89771-766-4
Den NSU in einen gesellschaftlichen Kontext einzuordnen, haben sich die Autor_innen zum Ziel gesetzt. Sie verstehen sich als kritische Wissenschaftler_innen und als Aktivist_innen der politischen Linken. Der Fokus ihrer Beiträge liegt auf der Analyse der Hintergründe, Reaktionen und Konsequenzen. Mit Blick auf die Hintergründe werden die gesellschaftlichen Bedingungen für den Umgang mit dem NSU und den neonazistischen Netzwerke näher betrachtet. Michael Weiss zeigt in seinem Beitrag die Ursprünge auf: „Der NSU war Bestandteil eines weitverzweigten Netzwerkes von AktivistInnen, die eines verband: Das Selbstbild der ‚politischen Soldaten‘, die sich in der Pflicht sahen, den ‚nationalen Kampf‘ bis zum Äußersten zu führen. Strukturen von Blood & Honour und die von ihm protegierten Konzepte des Combat 18 und des ‚Leaderless Resistance‘ spielten in diesem Netzwerk eine wesentliche Rolle.“ (11) In anderen Beiträgen werden die mediale, politische und juristische Auseinandersetzung mit dem NSU nach dem Bekanntwerden der Morde im November 2011 betrachtet. Felix Hansen befasst sich beispielsweise mit den Reaktionen der extremen Rechten. Nur selten gebe es einen offen positiven Bezug auf die Taten des NSU, meist halte sich die Neonazi‑Szene aus taktischen Gründen bedeckter. Ein verbreitetes Deutungsmuster insbesondere in NPD‑Kreisen sei die Behauptung, der NSU sei vom Staat selbst geschaffen worden. Die rechte Szene stilisiere sich damit zum Opfer des NSU, um sich zu entlasten und um eine Entsolidarisierung überflüssig zu machen. Zwei Beiträge des Bandes richten den Blick auch auf die Zukunft. Sie fragen nach den Konsequenzen, die der NSU und der gesellschaftliche Umgang mit diesem Terror für eine antifaschistisch und antirassistisch ausgerichtete Theorie und Praxis haben. Ulrich Peters fordert, dass eine antifaschistische Bewegung vor allem die vielfältigen Perspektiven und Kämpfe der radikalen Linken vereinigen sollte. Dafür seien auch organisatorische Voraussetzungen zu schaffen, die einen bundesweiten Austausch und eine Vernetzung der einzelnen Gruppen untereinander ermöglichten. Bisher habe man sich zu oft auf sich selbst konzentriert.
Jessica Burmester, M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.372.352.3332.232.42.632.61 Empfohlene Zitierweise: Jessica Burmester, Rezension zu: Sebastian Friedrich / Regina Wamper / Jens Zimmermann (Hrsg.): Der NSU in bester Gesellschaft. Münster: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39458-der-nsu-in-bester-gesellschaft_47938, veröffentlicht am 25.02.2016. Buch-Nr.: 47938 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...