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Civil Society and Innovative Public Administration

Matthias Freise / Friedrich Paulsen / Andrea Walter (Hrsg.)

Civil Society and Innovative Public Administration

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (European Civil Society 16); 399 S.; 79,- €; ISBN 978-3-8487-0244-2
Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung, so die diesem Band zugrunde liegende Annahme, müssen nicht bloß unvermittelt nebeneinanderstehen. Unter günstigen Bedingungen können sie einander sinnvoll und produktiv ergänzen. Somit stellt sich die Frage, wie ein solches, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung zueinander vermittelndes, Umfeld beschaffen sein muss. Hinsichtlich der öffentlichen Verwaltung, so die Herausgeber in ihrer Einleitung, habe es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten massive Reform‑ und Innovationsbedarfe in so gut wie allen repräsentativen Demokratien gegeben. Dabei seien zwei Diskurse vorherrschend gewesen: jener, der die öffentliche Verwaltung zu mehr Effizienz hin zu reformieren versucht, und jener, der mehr Mitspracherechte der Bevölkerung im Zuge der Umsetzung von Verwaltungsmaßnahmen einfordert. Beiden Perspektiven ist gemein, so die Einschätzung, dass die Zivilgesellschaft als Motor von Reformen begriffen wird, der die öffentliche Verwaltung in die von den beiden vorherrschenden Reform‑ und Innovationsdiskursen gewünschte Richtung zu führen vermag. Angesichts einer global voranschreitenden Urbanisierung argumentiert Anna Domaradzka in ihrem Beitrag am Beispiel der Stadt Warschau, dass es gerade junge urbane Bewegungen seien, die die städtischen Verwaltungen und lokalen Regierungen politisch vor sich hertrieben. So sei etwa die Beteiligungsrate von Bürgerinnen und Bürgern im Zusammenhang mit lokal begrenzten Stadtplanungsinitiativen – etwa bei der Anlage von Stadteilparks – in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen, sodass der von diesen Initiativen ausgehende Impuls von der offiziellen Seite der Stadtverwaltung kaum mehr zu ignorieren sei. Am Beispiel frühkindlicher Erziehung in Österreich zeigt Sonja Blum für ausgewählte Städte, dass für die zurückliegenden Jahre eine starke Expansion der Angebote zur Kinderbetreuung für unter Dreijährige zu verzeichnen sei. Dabei gehe es insbesondere um Angebote zur Betreuung, weniger zur Erziehung, die für die Mütter eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen sollen. Gute Praktiken bei der Vielzahl vorhandener Ansätze, so Blums Fazit, bedürften indes noch eines systematischeren Austausches. Diesen Aspekt greifen auch die Herausgeber in ihrem abschließenden Beitrag auf. Eine erfolgreiche Innovationspolitik für die öffentliche Verwaltung durch zivilgesellschaftliche Beteiligung, so lautet einer ihrer acht konkreten Ratschläge an die Politik, brauche klar identifizierbare, verantwortliche Personen und Ansprechpartner, die sie nach außen gut sichtbar vertreten.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.212.644.214.222.612.222.42.263 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Matthias Freise / Friedrich Paulsen / Andrea Walter (Hrsg.): Civil Society and Innovative Public Administration Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39450-civil-society-and-innovative-public-administration_47846, veröffentlicht am 25.02.2016. Buch-Nr.: 47846 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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