Portal für Politikwissenschaft

Politics of Dissent

Martin Bak Jørgensen / Óscar García Agustín (Hrsg.)

Politics of Dissent

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2015 (Political and Social Change 1); 231 S.; 59,95 €; ISBN 978-3-631-66094-2
Die Beiträge dieses Bandes sind von der Überzeugung getragen, dass es zu neoliberal inspirierten politischen und ökonomischen Praktiken eine Alternative geben muss. Zentraler Bezugspunkt für diese Überzeugung ist der aus der radikaldemokratischen Theorie von Chantal Mouffe entlehnte Begriff des Dissenses. Welche Perspektiverweiterungen, so fragen die Herausgeber, ermöglicht eine Vorstellung von Dissens als permanenter Notwendigkeit politischer Aushandlung für die Auseinandersetzung mit einem derzeit immer noch als alternativlos postulierten Neoliberalismus? In ihrem eigenen Beitrag untersuchen die Herausgeber die institutionelle Dimension neoliberalismuskritischer, politischer Aushandlung. Dazu ziehen sie Parteineugründungen in Slowenien, Spanien und dem Vereinigten Königreich heran und zwar unlängst zumeist aus Protestbewegungen entstandene Parteien wie Podemos, Left Unity und IDS. Trotz aller sozio‑ökonomischen Unterschiede der untersuchten Länder sei bei allen politischen Bewegungen nicht nur eine Orientierung hin zum europäischen Parlamentarismus festzustellen, der sich in der jeweiligen Unterstützung der Europäischen Linken manifestiere. Der Nationalstaat werde nicht mehr als hinreichender institutioneller Lösungsrahmen anstehender Probleme erkannt. Zudem zeige sich, dass die vormals bestehende Kluft zwischen politischen Parteien einerseits und sozialen Bewegungen andererseits im Schwinden begriffen sei, was zudem auch eine tendenziell flachere Hierarchie innerhalb der Organisationen mit sich bringe. Dementsprechend verweisen die Herausgeber in ihren neun abschließenden Thesen auf den Umstand, dass Dissens – wie schon Michael Hardt betont hat – der Institutionalisierung bedarf, um wirksam werden zu können. Auch wenn diese These in einem gewissen Spannungsverhältnis zu derjenigen steht, wonach Dissens des spontanen, auslösenden Moments bedürfe, um Gehör zu finden, so wird doch klar: Die politische Landschaft befindet sich mehr denn je in Bewegung. Das gilt umso mehr, je stärker eine politische Bewegung sich einem gegenhegemonialen Moment verschrieben hat, wie etwa dem Protest gegen neoliberale Praktiken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Demokratie, so die Herausgeber, sei Angelegenheit der Vielen, des sich organisierenden und artikulierenden Demos. Damit scheint ein weiterer Aspekt auf, der nicht minder problematisch ist, in dieser Analyse aber untergewichtet wird: die Rolle der Sprache bei der Reproduktion von Beherrschungstechniken.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.222.24.432.632.642.655.42 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Martin Bak Jørgensen / Óscar García Agustín (Hrsg.): Politics of Dissent Frankfurt a. M. u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39436-politics-of-dissent_47543, veröffentlicht am 25.02.2016. Buch-Nr.: 47543 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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