Portal für Politikwissenschaft

Frauen für den Dschihad

Hamideh Mohagheghi (Bearb.)

Frauen für den Dschihad. Das Manifest der IS-Kämpferinnen

Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2015; 144 S.; brosch., 14,99 €; ISBN 978-3-451-34832-7
Das Manifest „Die Frau im Islamischen Staat“, das von der Al‑Khanssaa‑Brigade – einer Gruppierung des selbsternannten „Islamischen Staats“ (IS) – verfasst wurde und hier vollständig abgedruckt ist, verdeutlicht die Ideologie des IS. Die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi analysiert diese und zeigt dabei, dass der IS, obwohl er von sich selbst behauptet, nach den Prinzipien und Regeln des „wahren“ Islam zu leben, oft wider der islamischen Lehre handelt. Diese werde vom IS benutzt und manipuliert, um die Menschen für sich zu gewinnen. Um diese These zu verdeutlichen, zieht Mohagheghi den Koran und die Lebenspraxis des Propheten Mohammed heran. Ein Beispiel sei die Barmherzigkeit, die als Fundament der islamischen Lehre gelte und die einzige Verpflichtung sei, die Gott sich selbst im Koran vorschreibe. Doch entgegen diesem Grundsatz handle der IS erbarmungslos. Darüber hinaus zeigt Mohagheghi Widersprüche zwischen dem Manifest und der Lebenspraxis der IS‑Anhänger auf. So nutze der IS beispielsweise moderne Kommunikationsmittel, die auf westliches Know‑how zurückgehen. Gleichzeitig betrachte der IS die westlichen Länder aber als Feindbild und verurteile alle Wissenschaften, die nicht „religiös“ seien, als unnütz. Mohagheghi geht auch der Frage nach, warum diese Ideologie eine so anziehende Wirkung auf junge Menschen in westlichen Ländern hat. Sie glaubt, dass vor allem Menschen, die unzufrieden und auf der Suche nach einer Identität sind oder sich in einer politischen, sozialen oder ökonomischen Notlage befinden, für die Propaganda anfällig sind. Der IS gebe verlockend einfache Erklärungen und entlaste die Individuen von einem eigenverantwortlichen Handeln, da es Verbote und Gebote gebe. Frauen werde außerdem eine „Dschihad‑Romantik“ (132) vorgegaukelt, die mit der Realität nichts zu tun habe. Abschließend hält Mohagheghi fest, dass das Misstrauen in der westlichen Gesellschaft gegenüber Muslimen einer breiten Akzeptanz weichen müsse. Die Muslime fordert sie dazu auf, sich radikalen Gruppierungen zu widersetzen.
Jessica Burmester, M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.252.232.272.634.41 Empfohlene Zitierweise: Jessica Burmester, Rezension zu: Hamideh Mohagheghi (Bearb.): Frauen für den Dschihad. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39347-frauen-fuer-den-dschihad_47594, veröffentlicht am 04.02.2016. Buch-Nr.: 47594 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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