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Die geostrategische Bedeutung Afghanistans aus Sicht der USA: Kontinuität und Wandel von 1979-2008

Julian Voje

Die geostrategische Bedeutung Afghanistans aus Sicht der USA: Kontinuität und Wandel von 1979-2008

Online-Publikation 2014 (http://d-nb.info/1053959710/34); 344 S.
Politikwiss. Diss. Bonn; Begutachtung: C. Hacke, T. Mayer. – Julian Vojes begründet seine Frage nach der geostrategischen Bedeutung Afghanistans für die USA mit dem Paradoxon, demzufolge Afghanistan sich, im Sinne einer geostrategischen Denkweise, „zwischen Bedeutungslosigkeit einerseits und weltpolitische[m] Brennpunkt andererseits“ (12) bewegt habe. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Bruchlinien und Kontinuitäten des politischen Interesses der USA gegenüber dem Land am Hindukusch. Vojes zentrale These basiert auf der Gegenüberstellung von Geostrategie und Geopolitik. Afghanistan selbst habe niemals eine geostrategische Bedeutung für die USA gehabt. Erst in Fällen einer geopolitischen Aufladung – motiviert durch Gleichgewichtslogiken im Sinne der realistischen Theoriefamilie – sei das Land in den Fokus Washingtons gerückt. Der Autor verzichtet auf eine Erläuterung seiner Methodik, will seine Arbeit zwischen zeithistorischer und politikwissenschaftlicher Untersuchung eingebettet wissen und bedient sich dazu des „Analysebegriff[s] der Geostrategie als methodische[n] Rahmen“ (13). Umso mehr Gewicht legt er auf die begriffliche Differenzierung zwischen Geopolitik und ‑strategie. Letztere würde Faktoren wie Raum, Macht und Lage übergeordnete Bedeutung zumessen und sei immer dann auch durch geopolitische Vorstellungen geprägt, wenn die Wahrnehmung sozio‑geografischer Räume, älterer geopolitischer Überzeugungen oder mentaler Karten auf Seiten eines handelnden Staates zum Tragen kämen. Voje leitet auf Grundlage einer Trias geografischer Ebenen (der wertfreie physisch‑geografische Raum, der politisch relevante Raum und der Staat als zentraler Bezugspunkt geostrategischen Handelns) drei Fragen für seine Untersuchung Afghanistans ab, die auf die Bedeutung der geografischen Lage, der Raum‑Mächte‑Konstellation sowie den Einfluss auf die außenpolitisch Leitlinien der USA abzielen. Laut Untersuchungsergebnis, das auf einer Periodisierung des Verhältnisses Afghanistan‑USA in fünf Episoden basiert, hat Afghanistan erstmalig mit dem Einmarsch der Sowjetunion geostrategische Bedeutung erlangt. Diese habe es mit dem Abzug der russischen Streitkräfte verloren, um mit dem 11. September 2001 wieder in den geostrategischen Kalkülen der USA aufzutreten. Mit der Verschiebung der Aufmerksamkeit in Richtung Irak im Jahr 2003 habe sich dieser Zustand erneut geändert.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.222.684.412.64 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Julian Voje: Die geostrategische Bedeutung Afghanistans aus Sicht der USA: Kontinuität und Wandel von 1979-2008 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39336-die-geostrategische-bedeutung-afghanistans-aus-sicht-der-usa-kontinuitaet-und-wandel-von-1979-2008_47205, veröffentlicht am 04.02.2016. Buch-Nr.: 47205 Rezension drucken

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