Portal für Politikwissenschaft

Medienfreiheit in Ägypten

Judith Jäger / Christopher Resch (Hrsg.)

Medienfreiheit in Ägypten. Zum journalistischen Arbeiten in Ägypten nach der Arabischen Revolution

Köln: Herbert von Halem Verlag 2015; 217 S.; brosch., 21,- €; ISBN 978-3-86962-182-1
War die Arabische Revolution in Ägypten ein Befreiungsschlag für die Journalisten und Medienschaffenden des Landes? Obschon die Verfassung eigentlich bereits seit 1971 die Freiheit der Medien garantiere, sei die Lage nach dem Sturz Hosni Mubaraks, so die Herausgeberin und der Herausgeber, schlechter als jemals zuvor. Die Beiträge, die in diesem Band versammelt sind, machen aus erster Hand – geschrieben von deutschen und ägyptischen Journalistinnen und Journalisten – all die täglichen Obstruktionen, aber auch die Hoffnungen und Perspektiven freier Medienberichterstattung in Ägypten seit dem 25. Januar 2011 plastisch erfahrbar. Judith Jäger und Christopher Resch zeichnen in ihrem Beitrag die Entwicklung der Medienlandschaft eines Landes nach, das sich „im Krieg wähnt“. Das „zentrale Feindbild [...] [des] islamischen Fundamentalismus“ (47) gaukle dabei die Eindeutigkeit einer Bedrohungslage vor, die von der Realität so nicht gedeckt sei. Stattdessen ermögliche die permanent geschürte Angst vor terroristischen Übergriffen nicht nur die massive Kontrolle der Medien. Der Regierung sei es zudem gelungen, diese auf ein einziges, zentrales Narrativ einzuschwören: das des Militärs. Jenseits dessen, so Jäger und Resch, bleibe nur noch eine Perspektive, die es ermögliche, auch öffentlich Kritik zu äußern, nämlich die der Satire. Sie zitieren den prominenten Satiriker Bassem Youssef, der die Lage so zusammengefasst hat: „Wir leben in den wundervollsten Jahren der Demokratie in Ägypten, und wer das nicht so sieht, dem soll die Zunge herausgeschnitten werden.“ (66) Angesichts der Schilderungen im Beitrag von Sherif Abdel Samad stellt sich die Frage, ob der Zustand von Demokratie und Medien wirklich noch so weit von dieser satirischen Zuspitzung entfernt ist. Samad beschreibt, dass er als Medienvertreter „zwischen allen Seiten“ steht – zwischen der Politik, dem Militär und allen anderen Gruppen. Die Konsequenz, die er daraus ableitet, ist bedrückend: „Man wird vorsichtiger, versucht nicht allzu viel zu riskieren“ (72). Wenn die Schere – aus dem Gefühl eigener Schutzbedürftigkeit heraus wohlgemerkt – bereits in den Köpfen der Journalistinnen und Journalisten angekommen ist, was können diese dann noch zur Festigung der ägyptischen Demokratie beitragen?
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.63 | 2.22 | 2.23 | 2.27 | 2.263 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Judith Jäger / Christopher Resch (Hrsg.): Medienfreiheit in Ägypten. Köln: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39293-medienfreiheit-in-aegypten_47841, veröffentlicht am 21.01.2016. Buch-Nr.: 47841 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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