Portal für Politikwissenschaft

Reden, die unsere Welt veränderten

Simon Sebag Montefiore (Hrsg.)

Reden, die unsere Welt veränderten. Aus dem Englischen von Michael Bischoff

Berlin: Insel Verlag 2015; 335 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-458-17627-5
„Eine große Rede muss nicht unbedingt die Wahrheit ihrer Zeit erfassen; sie kann auch Ausdruck einer großen Lüge sein.“ (11) In dieser bebilderten Sammlung stellt Simon Sebag Montefiore beide Arten nebeneinander, denn sie seien gleichermaßen lehrreich. Insgesamt 64 Reden präsentiert der britische Historiker, jeweils versehen mit einer Einführung zum zeitgeschichtlichen Kontext und der Biografie der Rednerin oder des Redners. Viele Reden markieren große Ereignisse, wie etwa Jawaharlal Nehrus Ansprache zur Unabhängigkeit Indiens im August 1947. Andere spiegeln eher grundsätzlich gegenwartsbezogene Sorgen wider, zum Beispiel J. Robert Oppenheimers Rede über das Atomzeitalter und die Verantwortung der Wissenschaftler im November 1946 oder die Rede der jungen Malala Yousafzai vor der UN‑Jugendversammlung im Juli 2013 über den Zugang zu Bildung. Die große Bedeutung des gesprochenen Wortes illustriert Sebag Montefiore außerdem mit der Rede von George W. Bush an die Nation, gehalten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Mit diesen Anschlägen habe „das neue Jahrtausend einen undurchsichtigeren, weniger klar umrissenen und potentiell beängstigenderen Gegner gebracht“ (279) – und der vom US‑Präsidenten angekündigte „Krieg gegen den Terrorismus“ (281) sollte dann die Welt nachhaltig prägen. Zu wünschen wäre, so schreibt er, dass auch die Rede des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel vom April 1999 über die Gefahren der Gleichgültigkeit so viel Wirkung entfalte. In dieser hatte er die Schrecken des 20. Jahrhunderts resümiert und vor der Gleichgültigkeit angesichts von Gewalt warnt. Aber es sei „so viel einfacher, den Blick von Opfern abzuwenden. Es ist so viel einfacher, solche rüden Störungen unserer Arbeit, unserer Träume, unserer Hoffnungen zu meiden.“ (273) Aber: „Diesem Leiden gleichgültig gegenüberzustehen ist in gewisser Weise das, was den Menschen unmenschlich macht. […] Und daher ist Gleichgültigkeit immer der Freund des Feindes, denn sie nützt dem Aggressor – nie seinem Opfer“ (274).
Simone Winkens, M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.242.612.642.3122.622.682.672.63 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Simon Sebag Montefiore (Hrsg.): Reden, die unsere Welt veränderten. Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39283-reden-die-unsere-welt-veraenderten_47506, veröffentlicht am 21.01.2016. Buch-Nr.: 47506 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...