Portal für Politikwissenschaft

Afrikanische politische Philosophie

Franziska Dübgen / Stefan Skupien (Hrsg.)

Afrikanische politische Philosophie. Postkoloniale Positionen

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2015 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2143); 353 S.; 18,- €; ISBN 978-3-518-29743-8
Im deutschsprachigen Raum waren afrikanische Positionen im Kanon postkolonialen Denkens bisher kaum anzutreffen und insofern ist das Erscheinen des Bandes allein schon in dieser Hinsicht sehr erfreulich. Darin sind dreizehn Beiträge versammelt, neun davon erstmals in deutscher Übersetzung, „die als Antworten auf die postkolonialen Bedingungen des politischen Lebens in Afrika verstanden werden können“ (25). Verhandelt werden dabei nicht nur die Themenkomplexe Demokratie, Liberalismus, Feminismus, Gerechtigkeit und Kosmopolitismus, sondern ganz grundlegend auch die Fragen nach dem Gegenstand, dem Selbstverständnis, der Methodologie und Epistemologie einer afrikanischen (politischen) Philosophie. Die umfangreiche und mit zahlreichen weiterführenden Literaturverweisen versehene Einleitung von Franziska Dübgen und Stefan Skupien kann zudem als eigenständiger Beitrag gelesen werden, der über verschiedene Trends (nicht nur) der zeitgenössischen afrikanischen Philosophie, ihre Methoden und argumentativen Strategien sowie das über das von den Verfassern als grundlegend identifizierte spezifische Konzept der Person und ihrer Rechte und Pflichten informiert. Durch die Vergegenwärtigung „afrikanischer Wissensbestände“ soll „die eurozentrische Hegemonie in der politischen Philosophie von den Rändern aus“ (50) hinterfragt und dadurch nicht zuletzt auch die Diskurse über „politische und normative Fragen im deutschsprachigen Raum“ (51) befördert werden. Afrikanisches Denken soll damit gerade nicht als das exotische Andere positioniert werden, sondern als relevanter Interaktionspartner im Nachdenken und Streiten über politische Problemstellungen. Eine solche Anschlussfähigkeit zu aktuellen Debatten im euroatlantischen Raum zeigt sich beispielsweise in den Überlegungen Kwasi Wiredus und Emmanuel Chukwudi Ezes, die als Protagonisten von „konsensueller“ respektive „kontroversieller Demokratie“ (183) mit der Konflikthaftigkeit beziehungsweise Grundlosigkeit des Sozialen und dem Status von Repräsentation zentrale demokratietheoretische Fragestellungen verhandeln.
Paul Sörensen, Dr., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Lehrstuhl für Politikwissenschaft/Politische Theorie, Universität Augsburg.
Rubrizierung: 5.422.275.445.34 Empfohlene Zitierweise: Paul Sörensen, Rezension zu: Franziska Dübgen / Stefan Skupien (Hrsg.): Afrikanische politische Philosophie. Frankfurt a. M.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39269-afrikanische-politische-philosophie_48042, veröffentlicht am 14.01.2016. Buch-Nr.: 48042 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...