Portal für Politikwissenschaft

Deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen

Christian Kleinschmidt / İnanç Atilgan (Hrsg.)

Deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen. Eine Bestandsaufnahme

Klagenfurt/Celovec: Wieser Verlag 2013 (Türkische Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen 2); 258, 236 S.; 25,- €; ISBN 978-3-99029-080-4
Das deutsch‑türkische Anwerbeabkommen von 1963 ist einer jener Verträge zwischen den beiden Staaten, der ohne die sehr viel älteren und dabei bis weit in die Vergangenheit des europäischen Konstrukts zurückreichenden Beziehungsgeflechte nicht erklärt werden kann. Das Abkommen gilt als Meilenstein, da es dazu beigetragen hat, das wechselseitig imaginierte Bild des jeweils Anderen zumindest teilweise zu korrigieren. Anlässlich des Jubiläumsjahres 2013 haben nun Christian Kleinschmidt (Universität Marburg) und İnanç Atilgan (CINtr Wien) Beispiele für die sich seither etablierten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei zusammengetragen. Die Beiträge tragen der langen Geschichte Rechnung, da die Betrachtungen von Yavuz Köse im Jahr 1761 einsetzen, während Kleinschmidt den Zeitraum bis zur Gegenwart im Blick hat. Auf dieser Basis können die folgenden Analysen die Potenziale der Wirtschaftsbeziehungen (so etwa Meral Avcı) herausarbeiten und auf die kulturellen beziehungsweise interkulturellen Aspekte dieser Beziehungsmuster (so Mustafa Yaçan) eingehen. Dieser Band will dezidiert keine wissenschaftliche Betrachtung sein. Von daher hat es durchaus seinen Charme, wenn Willi Engelbertz über die Städtepartnerschaft zwischen Lünen und Bartın berichtet, da diese spezielle Form der bilateralen Zusammenarbeit viel zu selten wahrgenommen beziehungsweise aus der Ebene der Praxis bewertet wird. Dass es nach wie vor Probleme in den deutsch‑türkischen Wirtschaftsbeziehungen gibt, zeigt anschaulich der Beitrag von Arzu Oğuz, da hier vor allem für die Türkei noch die Ebene (samt deren Fallstricke) des europäischen Außenhandelsrechts zum Tragen kommt, selbst wenn die diversen Abkommen mit der EU hier inzwischen einiges vereinfacht haben. In der Gesamtheit veranschaulicht der Band vor allem eines: Jenseits der offiziellen politischen Ebene gilt es, ein überaus lebendiges und vielfältiges Netzwerk zwischen den beiden Ländern – vom Tourismus über Infrastrukturprojekte und das Arbeitsrecht bis zu den wechselseitigen Investitionsmöglichkeiten – zu entdecken.
Martin Schwarz, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie (ISP) an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 4.24.214.222.632.311 Empfohlene Zitierweise: Martin Schwarz, Rezension zu: Christian Kleinschmidt / İnanç Atilgan (Hrsg.): Deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen. Klagenfurt/Celovec: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39245-deutsch-tuerkische-wirtschaftsbeziehungen_44305, veröffentlicht am 14.01.2016. Buch-Nr.: 44305 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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