Portal für Politikwissenschaft

Was Google wirklich will

Thomas Schulz

Was Google wirklich will. Wie der einflussreichste Konzern der Welt unsere Zukunft verändert

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015; 335 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-421-04710-6
Google – das war einmal das Synonym für eine Suchmaschine. Heute ist Google überall präsent: Ob in Smartphones, Kartendiensten oder selbstfahrenden Autos und elektronischen Büchern – es scheint kaum ein digitales Geschäftsfeld zu geben, in dem keine Aktivität zu verzeichnen ist. Das Unternehmen wandelt sich zum allumfassenden Technologiekonzern. „Zweifelsohne ist Google das erfolgreichste neue Unternehmen des frühen 21. Jahrhunderts.“ (16) Das alleine wäre eher ein Thema für die Wirtschaftswissenschaft. Von allgemeinem Interesse aber ist die Vision, die Google‑Gründer Larry Page vertritt. Stark beeinflusst durch einen im Silicon Valley weit verbreiteten Fortschrittsoptimismus – die „Kalifornische Ideologie“ – ist diese zutiefst technikaffin und von der Überzeugung getragen, das Wohl und das alltägliche Leben der Menschheit durch eine zunehmende Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung verbessern zu können. Im Grunde sind hier vielfältige Vorbereitungen auf den alltäglichen Einsatz künstlicher Intelligenz zu erkennen sowie für eine Neugestaltung vieler Produktions‑ und Arbeitsprozesse. Der Autor, langjähriger Spiegel‑Redakteur im Silicon Valley, nimmt den Konzern in diesem sehr lesenswerten Buch genau unter die Lupe und kann dabei auf zahlreiche Informationen und persönliche Gespräche zurückgreifen. Dabei zeichnet er die Gründungsgeschichte detailliert nach und erläutert das gerade aus europäischer Perspektive gewöhnungsbedürftige Weltbild der Konzernlenker. Aufschlussreich ist das Buch auch im Hinblick auf die künftigen Projekte des Konzerns und die damit einhergehenden Folgen – die Zukunft ist näher als man glauben mag. Auch die Kapitel zur Personalführung und Arbeitsweise des Konzerns lesen sich spannend. Deutlich wird dabei, dass das etwas einseitige Bild der Datenkrake Google so nicht stimmt. Bei der Lektüre stellt sich allerdings oft die Frage, welchen Stellenwert staatliche Herrschaft, Gesetze und Normen für einen Konzern noch haben können, der global umfassend operiert – und wie es zum Beispiel um die Zusammenarbeit mit staatlichen Informationsdiensten steht. Darüber ist leider nur am Rande etwas zu erfahren. Dass die heile Welt der Digitalisierung aber ihre Schattenseiten hat, wird im letzten Teil des Buches deutlich: „Die Wohlstandsgewinne werden überproportional von den oberen Einkommensgruppen eingesteckt. Der Druck auf die unteren Einkommensgruppen nimmt dagegen zu: Mit der Technisierung steigt die Komplexität der Jobs – und wächst die Konkurrenz um die Arbeitsplätze, die weniger Fähigkeiten und Bildung verlangen. Klar ist: „Wir brauchen neue Maßstäbe für eine neue Zeit. Die Ideen des vergangenen Jahrhunderts lassen sich nicht einfach übertragen in die digitale Welt“. (323)
Fabrice Gireaud, Dr., Politikwissenschaftler und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.222.2 Empfohlene Zitierweise: Fabrice Gireaud, Rezension zu: Thomas Schulz: Was Google wirklich will. München: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39242-was-google-wirklich-will_47927, veröffentlicht am 07.01.2016. Buch-Nr.: 47927 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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