Portal für Politikwissenschaft

Afrika ist das neue Asien

Christian Hiller von Gaertringen

Afrika ist das neue Asien. Ein Kontinent im Aufschwung

Hamburg: Hoffmann und Campe 2014; 286 S.; geb., 22,- €; ISBN 978-3-455-50323-4
Die Exportnation Deutschland ist dabei, in Afrika entscheidende Chancen zu verschlafen. So oder so ähnlich ließe sich die zentrale These von Christian Hiller von Gaertringen, Wirtschaftsjournalist bei der FAZ, auf den Punkt bringen. In seinem Buch will er deshalb das antiquierte Bild der Deutschen korrigieren: „Afrika ist dabei, die unglaubliche Wachstumsgeschichte, die Asien in den vergangenen 20 Jahren erlebt hat, zu wiederholen.“ (9) Der Rückgang von Konflikten, die Verbesserung der Regimequalität, der Wandel von Staaten zu Schwellenländern sowie das Entstehen von Mittelschichten würden zusammengenommen dazu beitragen, dass „Afrika das neue Asien“ (Buchtitel) sei. Hiller von Gaertringen illustriert diese Diagnose mit zahlreichen Beispielen. Sein Buch basiert auf Gesprächen mit Unternehmern, Regierungsvertretern, Mitarbeitern von NGOs und Bürgern im Rahmen seiner Recherchereisen in den unterschiedlichsten Staaten und Gegenden des Kontinents. Zunächst skizziert der Autor die Entwicklungen, die seiner Ansicht nach zu einem Abkühlen anderer Schwellenmärkte geführt haben und Afrika als Zukunftsmarkt mit vergleichsweise hohem Wachstumspotenzial dastehen lassen. Chinas Rolle auf dem Kontinent sieht Hiller von Gaertringen entgegen der verbreiteten Kritik als positiv. Es sei „[u]nter dem Strich […] ein Vorteil für den afrikanischen Kontinent, dass China die Region als ernstzunehmenden Wirtschaftsstandort entdeckt hat“ (41). Immer wieder stellt er das Zögern und die von Klischees geprägte Haltung der deutschen Politik und Wirtschaft dem Pragmatismus Chinas und auch Indiens gegenüber. Dazu liefert er kurze Blicke auf bekannte und weniger bekannte Beispiele für den neuen Aufschwung Afrikas, berichtet von jungen Unternehmern im Telekommunikationsbereich, einer wachsenden Mittelschicht und aufstrebenden Kapitelmärkten – begleitet von Zahlen, die das enorme Wachstumspotenzial andeuten sollen, das der Kontinent für die Zukunft nach Ansicht des Autors verspricht. Diese Zukunft bleibe jedoch möglicherweise eine „Party ohne die Deutschen“ (227). Dieses so überschriebene letzte Kapitel spannt dann wieder den Bogen zum zentralen Motiv der Erzählung, zu den verpassten Chancen für die deutsche Wirtschaft. Für diejenigen, die es bis hierhin noch nicht verstanden haben, reiht Hiller von Gaertringen auch an dieser Stelle noch einmal zahlreiche Projekte aneinander, bei denen andere schneller sind beziehungsweise deutsche Firmen gar nicht an den Start gehen. Es müsse künftig aber darum gehen, „feste strategische Partnerschaften mit afrikanischen Unternehmen einzugehen, die zu tiefen und verlässlichen Wirtschaftsbeziehungen führen“ (248).
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.672.222.24.21 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Christian Hiller von Gaertringen: Afrika ist das neue Asien. Hamburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39221-afrika-ist-das-neue-asien_46291, veröffentlicht am 07.01.2016. Buch-Nr.: 46291 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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