Portal für Politikwissenschaft

Ärger im Paradies

Slavoj Žižek

Ärger im Paradies. Vom Ende der Geschichte zum Ende des Kapitalismus. Aus dem Englischen von Karen Genschow

Frankfurt a. M.: S. Fischer 2015; 368 S.; 24,99 €; ISBN 978-3-10-002388-9
Beim Namen Slavoj Žižek ist man auf einiges gefasst. Der gegenwärtig vielleicht populärste Philosoph und Kulturkritiker fragt sich dieses Mal, wie es sein kann, dass wir am Ende der Geschichte – im vermeintlichen Paradies – angekommen sind und die Krisen trotzdem kein Ende nehmen. Auf der Grundlage der Psychoanalyse nach Freud und Lacan und dem dialektischen Denken von Hegel und Marx entwickelt Žižek eine in vielen Fällen erfrischend irritierende Kritik an unseren alltäglichen Ideologien – illustriert an YouTube‑Phänomenen oder Werbeversprechen im Supermarkt. Unterfüttert wird diese unterhaltsame Analyse unseres gegenwärtigen globalen Kapitalismus und seiner ideologischen Erscheinungen durch eine lebhafte Erörterung der Aussagen seines Weggefährten, des französischen Philosophen Alain Badiou. So beginnt das Buch bereits mit der Aussage: „Meine Prämisse lautet, dass das, was Alain Badiou die ‚kommunistische Hypothese‘ genannt hat, der einzig angemessene Rahmen ist, in dem sich die Krise diagnostizieren lässt“ (12). Diese Hypothese reformuliert Žižek im Laufe seiner politischen Analyse der Protestbewegungen der vergangenen Jahre. Er kommt zu dem Schluss, dass „jede radikale Revolte [...] per definitionem eine kommunistische Dimension [enthält], einen Traum von Solidarität und egalitärer Gerechtigkeit, die über die enge Sphäre der Politik hinaus in die Wirtschaft, das Privatleben und die Kultur hineinreicht“ (162). Diesen kommunistischen Horizont, der in den Protestereignissen zutage tritt, nach den Ereignissen zu erhalten und zur Grundlage von Politik zu machen, ist nach Ansicht von Žižek die eigentliche, gegenwärtige Aufgabe. Auch wenn seine Analyse in vielen Fällen konkrete Antworten schuldig bleibt, liefert sie am Ende eine klare Problemstellung: „Kommunismus ist heute nicht der Name für eine Lösung, sondern der Name eines Problems, des Problems der Commons, der Allmende, in all seinen Dimensionen“ (334).
Janosik Herder, M. A., Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fachgebiet Politische Theorie, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Universität Osnabrück.
Rubrizierung: 5.422.22.22 Empfohlene Zitierweise: Janosik Herder, Rezension zu: Slavoj Žižek: Ärger im Paradies. Frankfurt a. M.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39215-aerger-im-paradies_47923, veröffentlicht am 17.12.2015. Buch-Nr.: 47923 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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