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"Weil wir es so sagen"

Noam Chomsky

"Weil wir es so sagen" Texte gegen die amerikanische Weltherrschaft im 21. Jahrhundert

Wien: Promedia 2015; 202 S.; brosch., 17,90 €; ISBN 978-3-85371-393-8
Dieser Band versammelt kurze interventionistische Texte, die Noam Chomsky zwischen Dezember 2011 und September 2014 geschrieben hat. Fast immer nimmt er weltpolitische Ereignisse zum Anlass und bezieht sich auf journalistische Berichte oder wissenschaftliche Veröffentlichungen. Im Vordergrund steht dabei stets das Bemühen, eine kritische Perspektive auf die Geschehnisse und die Berichterstattung über sie zu bieten. Im Kern versucht Chomsky dabei die Sichtweise der USA und des Westens insgesamt bloßzustellen. Er will zeigen, dass die Handlungen des Westens für den Westen selbst ein Problem wären, wenn andere Staaten genauso handelten. Für die USA aber, so die titelgebende Überlegung, gilt: „Was immer die Welt denken mag, die Handlungen der USA sind gerechtfertigt. Weil wir es so sagen“ (142). Dieses ‚weil wir es so sagen‘ nutzt Chomsky auf interessante Weise, um die Geschehnisse der vergangenen Jahre zu kommentieren – so zum Beispiel im Text über die Verhandlungen zum Atomprogramm des Iran. Chomsky zeigt, dass außer in den USA nirgendwo große Angst vor dem Iran bestand. „Vielmehr werden Israel und die USA als die herausragende Bedrohung gesehen“ (24). Insgesamt begleitet der Band primär die Nahostpolitik der USA. Chomsky kommentiert aber auch Geschehnisse wie den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Er kritisiert, dass die beiden großen Parteien sich kaum noch voneinander unterscheiden und die Republikaner eine perfide Strategie entwickelt haben, um rechte Wählerschaften zu gewinnen. Interessant ist, so Chomsky, dass die Strategie der Republikaner zwar darin besteht, rechte Wählerschaften wie die Tea Party zu mobilisieren. Aber gleichzeitig sollen eben diese auch aus dem Establishment der republikanischen Partei herausgehalten werden. Auch die politischen Turbulenzen um den Whistleblower Edward Snowden behandelt er. Auf die Chomsky eigene Art werden wir an die irritierende Zwischenlandung erinnert, die der bolivianische Präsident Evo Morales in Österreich machen musste – die USA hatten damals den Verdacht gehabt, in dem Flugzeug werde Snowden von Moskau nach Bolivien geschmuggelt. Für seine Argumente reichen Chomsky zumeist einfache Mittel, wie der kurze Verweis auf die Geschichte oder eindeutige Meinungsumfragen. Diese Argumente, die auf den ersten Blick sehr einfach wirken, sind vor allem eines: Das Werk eines in langen, kritischen Auseinandersetzungen entwickelten Denkens.
Janosik Herder, M. A., Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fachgebiet Politische Theorie, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Universität Osnabrück.
Rubrizierung: 4.222.644.41 Empfohlene Zitierweise: Janosik Herder, Rezension zu: Noam Chomsky: "Weil wir es so sagen" Wien: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39213-weil-wir-es-so-sagen_47912, veröffentlicht am 17.12.2015. Buch-Nr.: 47912 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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