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Transformation Processes in Egypt after 2011 – The Causes, their Course and International Response

Radosław Fiedler / Przemysław Osiewicz (Hrsg.)

Transformation Processes in Egypt after 2011 – The Causes, their Course and International Response

Berlin: Logos Verlag 2015; 230 S.; 36,- €; ISBN 978-3-8325-4049-0
Was ist nach dem Sturz Hosni Mubaraks aus Ägypten geworden? Die von Radosław Fiedler und Przemysław Osiewicz zusammengetragenen Aufsätze ermöglichen zweierlei: einen historisch‑analytischen Blick auf den Verlauf und die Dynamik des Arabischen Frühlings in Ägypten sowie eine erste Evaluation seiner Ergebnisse einerseits und einen Überblick über die bisherigen sowie künftig zu erwartenden internationalen Reaktionen andererseits. Dabei entsteht das Bild eines Landes, das nach wie vor in einem tiefgreifenden Transformationsprozess ungewissen Ausgangs steckt. Marcin Tarnawski beleuchtet in seinem Beitrag den Ausgangspunkt dieses Transformationsprozesses. Indem er die historischen Abläufe des Arabischen Frühlings rekonstruiert, vermag er nicht nur die großen Linien einer in der Hoffnung auf Demokratisierung im Dezember 2010 in Tunesien begonnenen politischen Bewegung nachzuzeichnen. Nicht allein mit Blick auf Ägypten kommt er zu dem Schluss, dass sowohl die regionalen als auch die europäischen politischen Reaktionen vollkommen unangemessen gewesen seien. Zu lange habe man – gerade auch von europäischer Warte aus – nicht auf eine nachhaltige, institutionelle Demokratisierung gesetzt. Stattdessen habe das Streben nach Stabilität als politischer Wert überwogen, auch wenn damit autoritäre Herrscher – wie eben in Ägypten – ins Amt gehoben worden seien. Dass es sich dabei um eine kaum mehr als Ironie der Geschichte zu bezeichnende politische Fehlleistung handelte, zeigt sich darin, dass mit dieser Strategie extremistische islamistische Bewegungen, deren Erstarken auch damals schon verhindert werden sollte, noch gestärkt wurden. Neben den regionalen und den europäischen haben auch die politischen Reaktionen der US‑Regierung, wie sie Radosław Fiedler in seinem Aufsatz nachzeichnet, nicht positiv gewirkt – im Gegenteil. Die US‑amerikanische Ägyptenpolitik, so Fiedler, habe zwar immer auf eine graduelle Modernisierung sowie eine von unten kommende Liberalisierung des Landes und des politischen Systems gesetzt, sehe sich jetzt aber mit einer weiteren Steigerung der autoritären wie islamistischen Strukturen konfrontiert. Das sei insofern problematisch, als Ägypten traditionell ein wichtiger Anker für die regionale Stabilität sowie für die Sicherheit Israels gewesen sei, die zu garantieren sich die USA ebenfalls zur Aufgabe gemacht hätten.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.22.253.64.32.644.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Radosław Fiedler / Przemysław Osiewicz (Hrsg.): Transformation Processes in Egypt after 2011 – The Causes, their Course and International Response Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39209-transformation-processes-in-egypt-after-2011--the-causes-their-course-and-international-response_47769, veröffentlicht am 17.12.2015. Buch-Nr.: 47769 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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