Portal für Politikwissenschaft

Bürgerschaft und demokratische Regierbarkeit in Deutschland und Europa

Gianni D'Amato / Ireneusz Paweł Karolewski (Hrsg.)

Bürgerschaft und demokratische Regierbarkeit in Deutschland und Europa. Festschrift für Heinz Kleger

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (German and European Studies of the Willy Brandt Center at the Wroclaw University 2); 397 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8487-1187-1
Heinz Kleger betreibe problemorientierte politische Aufklärung, seine interdisziplinär ausgerichtete Theorie beschäftige sich mit den einander bedingenden Konzepten „Bürgerschaft und Demokratie, Bürgergesellschaft und demokratische Regierbarkeit“ (7). So stellen die Herausgeber den „eigensinnigen Schweizer“ (7) vor, dem sie ihren Sammelband als Festschrift widmen. Eine Kurzbiografie des politischen Theoretikers findet sich am Ende des Buches. Sandra Seubert diskutiert in ihrem Beitrag Bürgerschaft im Sinne politischer Zugehörigkeit in einer modernen Gesellschaft. Das klassische Verständnis von Volk als Bezugspunkt werde im Kontext von Migration und Globalisierung zunehmend infrage gestellt. „Bewegung, Motivation und Mobilisierung stehen in direktem Zusammenhang mit einer Geschichte, die erzählt werden muss über die Art und Weise, wie Individuen sich ihre sozialen Verbindungen vorstellen.“ (62) Dies könne heutzutage aber keine einzelne, nationale Geschichte mehr sein. Andreas Nix spricht in seinem Beitrag von Bürgerreligion als „Glaube an die Demokratie“ (88). Er meint damit keine politische beziehungsweise politisierte Religion, sondern eine Zivilreligion, bei der die Bürgerschaft zentraler Bezugspunkt bleibe, die identitätsstiftend wirke und konfessionslos sei. Kleger habe den Begriff in den 1980er‑Jahren im deutschsprachigen Raum entscheidend geprägt und von „‚Demokratie als posttraditionaler Zivilreligion‘“ (99) gesprochen. Ob Zivilreligion als interkulturelles Konzept tauge, bleibt für Nix, besonders auf den islamischen Kulturraum bezogen, eine brisante und offene Frage. Mitherausgeber Ireneusz Paweł Karolewski befasst sich in seinem Text mit bürgerschaftlicher kollektiver Identität auf Ebene der Europäischen Union. Dafür diskutiert er verschiedene Konzeptionsmodelle von Bürgerschaft. Er kritisiert unter anderem, dass sich die Debatte über die europäische Identität zu stark auf „Homogenität“ (314) und „Verbundenheit der Bürger Europas miteinander“ (315) konzentriere. Die Frage nach den Folgen dieses „Wir‑Gefühls“ (315) werde dabei vernachlässigt.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 1.32.25.415.422.3313.42.222.23 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Gianni D'Amato / Ireneusz Paweł Karolewski (Hrsg.): Bürgerschaft und demokratische Regierbarkeit in Deutschland und Europa. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39192-buergerschaft-und-demokratische-regierbarkeit-in-deutschland-und-europa_46344, veröffentlicht am 17.12.2015. Buch-Nr.: 46344 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...