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Theory of Political Representation

Jarosław Szymanek

Theory of Political Representation

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2015 (Studies in Politics, Security and Society 2); 221 S.; 47,95 €; ISBN 978-3-631-65714-0
Jarosław Szymaneks Reflexionen haben einen der, wenn nicht gar den zentralen Begriff zeitgenössischer Demokratietheorie zum Gegenstand: Repräsentation. Die politiktheoretische Studie zielt darauf ab, diesen Begriff in seinen Facetten und Bezügen mit Blick auf den aktuellen Stand der Forschung zu erschließen. Die Bandbreite der dabei angesprochenen Inhalte ist denkbar groß: Sie beginnt bei der Frage, was denn Repräsentation überhaupt ist, streift jene nach dem Verhältnis zwischen Repräsentant und Repräsentiertem, geht auf jene nach der Effizienz einer repräsentativen Verfassung ein und mündet schließlich in den Versuch einer Antwort über die „aktuelle Essenz der Repräsentation“ (11). Ein solches Vorgehen bringt es notwendigerweise mit sich, dass der Band eher einer Tour d’Horizon denn einer profunden Teilanalyse gleichkommt. Aus diesem Grund ist es dann auch legitim, gerade nicht nach den Details, sondern nach der großen Linie zu schauen, die der Autor vertritt. Und die lässt aufhorchen: So gibt sich Szymanek überzeugt, dass die repräsentative Demokratie und mit ihr der Dualismus von Repräsentanten und Repräsentierten noch lange Zeit fortbestehen werden – es sei denn, es gelinge, Formen direkter Demokratie mit der Komplexität moderner Nationalstaatlichkeit zu verzahnen. Was hier verwundert, ist der starke Optimismus, der aus diesen Zeilen spricht. In einer Zeit, in der sich westliche Demokratien immer drängenderen Herausforderungen gegenübersehen – und die sicherheitspolitische sowie die sozialpolitische sind hier nur zwei von vielen – und außer der Ausweitung von Exekutivkompetenzen kaum Antworten haben, scheint dieser Optimismus doch fehl am Platz. Dass es auch anders, sprich: autoritärer geht, zeigt etwa China. Die Reflexion über die Frage, was denn die repräsentative Demokratie im Vergleich zu autoritären Alternativen besser, überlegener macht, scheint da in der Tat drängender zu sein als die Introspektion, noch dazu getragen von nicht zeitgemäßer Selbstsicherheit oder gar ‑zufriedenheit. Und um nicht missverstanden zu werden: Das Buch von Szymanek ist klug formuliert, gut zu lesen und sicherlich geeignet, um einen Überblick über den aktuellen Stand der Debatte zu liefern beziehungsweise diesen substanziell zu umreißen. Nur stellt sich eben die Frage, ob das wirklich die Probleme sind, die uns heute umtreiben müssen.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.41 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Jarosław Szymanek: Theory of Political Representation Frankfurt a. M. u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39158-theory-of-political-representation_47649, veröffentlicht am 03.12.2015. Buch-Nr.: 47649 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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