Portal für Politikwissenschaft

Städtische Problemdiskurse

Marlon Barbehön / Sybille Münch / Michael Haus / Hubert Heinelt

Städtische Problemdiskurse. Lokalpolitische Sinnhorizonte im Vergleich

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (Modernes Regieren. Schriften zu einer neuen Regierungslehre 12); 207 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8487-1661-6
Diese Studie – hervorgegangen aus dem an der TU Darmstadt durchgeführten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Problemdiskurse: Eigenlogik der Städte und politische Agenda“ – ist sowohl unter methodologischen als auch unter inhaltlichen Gesichtspunkten außerordentlich anregend und Nachfragen provozierend zugleich. Die empirische Untersuchung von Frankfurt, Dortmund, Birmingham und Glasgow geht von der Prämisse aus, dass sich alle Städte – im Sinne einer idiografischen, also die Besonderheit des Einzelfalls betonenden Herangehensweise – als spezifische Sinnhorizonte beschreiben lassen. Dem interpretativen Städtevergleich liegt dabei die zentrale Fragestellung zugrunde, wie durch die „diskursive Konstruktion lokaler Probleme unterschiedliche Teilbereiche und Akteure, Rollenverständnisse und Interaktionsformen sowie Normen und Handlungsorientierungen voneinander unterschieden und zueinander in Beziehung gesetzt werden“ (66). Mit dieser Verknüpfung von Diskurstheorie und kulturanalytischer Stadtforschung sind zwei explizite methodologische Abgrenzungen verbunden, zum einen gegenüber der rationalistischen Variablenlogik einer als post‑ oder auch neo‑positivistisch bezeichneten Policy‑Forschung, zum anderen gegenüber dem Ansatz einer kritischen Stadtsoziologie, die Städte als Derivate eines übergreifenden Sozialen erscheinen lässt. In sozialkonstruktivistischer Perspektive bilden stattdessen die jeweiligen lokalen Problemerzählungen das interpretativ zu erhebende Material, das Rückschlüsse auf die lokal spezifische Diskursordnung erlauben soll. Empirisch beruht die Studie in erster Linie auf der qualitativen Auswertung der Lokalberichterstattung von sechs Tageszeitungen einerseits und andererseits von Protokollen beschlussfassender Gremien der jeweiligen Städte, dabei erfassen die Erhebungen die Jahre 2001 und 2010. Ergänzend sind in den vier Städten leitfadengestützte Interviews und Gruppendiskussionen mit Akteur_innen der Kommunalpolitik, Medien und Zivilgesellschaft geführt worden. Auf Basis der stadtspezifischen Befunde skizzieren die Autorin und die Autoren Anschlussmöglichkeiten für erklärende Perspektiven im Kontext von Governance‑ und Urban‑Regimes‑Ansätzen.
Thomas Mirbach, Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.212.3252.615.2 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Marlon Barbehön / Sybille Münch / Michael Haus / Hubert Heinelt: Städtische Problemdiskurse. Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39149-staedtische-problemdiskurse_47354, veröffentlicht am 03.12.2015. Buch-Nr.: 47354 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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