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Deutschland, Russland, Komintern. II. Dokumente (1918-1943)

Hermann Weber / Jakov Drabkin / Bernhard H. Bayerlein (Hrsg.)

Deutschland, Russland, Komintern. II. Dokumente (1918-1943) Nach der Archivrevolution: Neuerschlossene Quellen zu der Geschichte der KPD und den deutsch-russischen Beziehungen. Übersetzungen aus dem Russischen, Französischen und Englischen von Gleb J. Albert und Bernhard H. Bayerlein

Berlin/New York: Walter de Gruyter 2015 (Archive des Kommunismus - Pfade des XX. Jahrhunderts 6/1); VIII, 1.840 S.; 159,95 €; ISBN 978-3-11-033976-5
Die Dokumentensammlung wird eröffnet mit einem Erlass von Lenin und Trotzki, in dem sie die Absicht formulieren, ihre Revolution zu exportieren – sogleich gefolgt von einem Schreiben mit der Klage, die deutschen Revolutionäre seien unfähig. Nachzulesen ist dann nach dem Beschluss, die Komintern zu gründen, ein umfangreiches Konvolut mit vielen Briefen und Zeitzeugenberichten, das einen ungefilterten Eindruck von der Entwicklung der kommunistischen Bewegung im deutsch‑russischen Kontext vermittelt (zum ersten Band mit einführenden Texten siehe Buch‑Nr. 47870, beide Bände sind im Internet frei zugänglich). Das letzte ausführliche Kapitel ist zunächst dem Hitler‑Stalin‑Pakt gewidmet. Auf die verbalen Verrenkungen der Komintern zu seiner Rechtfertigung folgt dessen ungeachtet eine strategische Überlegung Walter Ulbrichts, wie die Deutschen zur Abkehr vom Faschismus gebracht werden könnten, sowie der berühmte Artikel des deutschen Kommunisten und sogenannten Parteiabweichlers Willi Münzenberg, in dem er mit Stalin abrechnet – diese drei aufeinanderfolgenden Dokumente zeigen noch einmal die Spannungen, die sich durch diese deutsch‑russische Geschichte ziehen. Dokumentiert wird dann die Neuausrichtung von KPD und Komintern im Zweiten Weltkrieg, gefolgt von der an pragmatischen Erfordernissen orientierten Auflösung Letzterer durch Stalin. Der Brief des Zentralkomitees der KPD schließlich illustriert, dass damit die Idee der Weltrevolution keineswegs aufgegeben ist, nur die Taktik wird geändert. Die dazu von Wilhelm Pieck, Wilhelm Florin, Walter Ulbricht, Anton Ackermann und Elly Schmidt niedergeschriebenen Gedanken können als erster Schattenwurf der DDR gelesen werden.
Natalie Wohlleben, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3112.622.222.25 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hermann Weber / Jakov Drabkin / Bernhard H. Bayerlein (Hrsg.): Deutschland, Russland, Komintern. II. Dokumente (1918-1943) Berlin/New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39139-deutschland-russland-komintern-ii-dokumente-1918-1943_47871, veröffentlicht am 26.11.2015. Buch-Nr.: 47871 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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