Portal für Politikwissenschaft

Lösungen für den Nahostkonflikt

Sonja Scheungraber

Lösungen für den Nahostkonflikt. Der Konflikt und die internationalen diplomatischen Beziehungen der Akteure

Marburg: Tectum Verlag 2014; XI, 110 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-8288-3434-7
Die Politisierung von Religion sieht Sonja Scheungraber als Hauptursache des Nahostkonfliktes. Daher stellt die Autorin die „jeweiligen fundamentalistischen Überzeugungen“ (2) der beteiligten Gruppen dar und arbeitet anhand der Grundüberzeugungen der Weltreligionen einen „Grundkonsens“ (4) heraus, „der als Ausgangspunkt für eine mögliche Lösung des Konflikts dienen kann“ (2). Mit einer religionswissenschaftlichen Perspektive sei die kulturbasierte Entwicklung der Akteure besser zu verstehen, glaubt Scheungraber. Weiterhin bedient sie sich der Perspektive des Neorealismus im Kontrast zum neoliberalen Institutionalismus, um die Ursprünge des Konflikts und den Zusammenhang der betroffenen Staaten mit dem internationalen System zu analysieren. So handelt die Autorin auf knapp 90 Seiten das anarchistische Sicherheitsdilemma internationaler Beziehungen und seine theoretischen Aspekte, das Verhältnis von Politik und Religion, die Fundamentalismen der abrahamitischen Religionen, die Geschichte Israels, des Nahostkonflikts, des Friedensprozesses sowie die Rolle der EU und der USA ab. Sie kommt zur Ansicht, dass „die Angst vor dem Frieden eine immer größere Rolle“ spiele. Diese Angst gründe bei den Israelis auf den „tiefsitzenden Traumata, die von der Geschichte, dem Nationalismus, der Religion, Fanatismus und Vorurteilen geprägt“ (84) seien. Den Ursprung des Nahostkonflikts sieht Scheungraber letztlich in der Geschichte Abrahahms und einer Auseinandersetzung um Identität, der zu besagter Angst vor Frieden führe. Die Autorin resümiert: „Trotz der unterschiedlichen Standpunkte der drei Weltreligionen berufen sich Christen, Juden und Moslems darauf, Söhne und Töchter Abrahams zu sein.“ (90) Dem viel zu großen Anspruch, eine Lösung für den Nahhostkonflikt aufzuzeigen, kann die Arbeit nicht gerecht werden. Die Autorin verliert bei ihrer sehr umfassenden Darstellung des Gegenstandes aus unterschiedlichsten geschichtlichen und aktuellen Perspektiven den Fokus und geht in ihrer Betrachtung selten in die Tiefe der äußerst komplexen Thematik.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 2.63 | 4.41 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Sonja Scheungraber: Lösungen für den Nahostkonflikt. Marburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39004-loesungen-fuer-den-nahostkonflikt_47466, veröffentlicht am 22.10.2015. Buch-Nr.: 47466 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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