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Globales Chaos – machtlose UNO

Andreas Zumach

Globales Chaos – machtlose UNO. Ist die Weltorganisation überflüssig geworden?

Zürich: Rotpunktverlag 2015; 261 S.; brosch., 22,- €; ISBN 978-3-85869-644-1
Sind die Vereinten Nationen überflüssig oder braucht die Welt sie heute mehr denn je? Angesichts der zahlreichen jüngeren Krisen und Konflikte scheint die Abwesenheit der Weltorganisation als zentrale konfliktlösende Instanz auffällig. Für Andreas Zumach, Journalist und langjähriger UNO‑Berichterstatter, ist eine „handlungsfähige Weltorganisation [...] heute mindestens so dringend wie 1945“ (12). Vor diesem Hintergrund betrachtet er die fünf zentralen Krisen näher, die ihm zufolge das Jahr 2014 geprägt haben. Dabei macht er gleich zu Beginn deutlich, dass er die Mitgliedstaaten der Organisation in der Verantwortung sieht, da diese letztendlich deren Handeln – und Nichthandeln – zu verantworten haben und angesichts zahlreicher Reformvorschläge seitens der Vertreter der Organisation untätig geblieben sind. Zumach nutzt die sechs Kapitel, um die Hintergründe der bescheidenen Rolle der UNO in den jüngsten Konflikten in Syrien, der Ukraine oder Israel/Palästina zu erläutern. Die angesprochenen Themen und Probleme reichen dabei von der Ebola‑Bekämpfung über die vermeidliche Erosion völkerrechtlicher Menschenrechtsnormen, der wachsenden Rolle von privaten Entwicklungsakteuren wie der Gates Foundation bis hin zu Fragen der Rüstungskontrolle. An dieser Stelle seien nur die Beispiele des Nahost‑Konflikts und der Abrüstung im Bereich der konventionellen Waffen genannt. So habe sich die UNO „[k]einer anderen Herausforderung gegenüber [...] so handlungsunfähig und hilflos gezeigt wie angesichts des Nahostkonflikts“ (65). Doppelte Standards bei der Anwendung von Menschenrechtsnormen und kontinuierliche Vetos der USA im Sicherheitsrat verhinderten Fortschritte immer wieder. Dabei werde die Organisation zur Durchsetzung der Zwei‑Staaten‑Lösung noch gebraucht. Zumach regt hier unter anderem den Verzicht des palästinensischen Staates auf eigene Streitkräfte gegen umfangreiche Sicherheitsgarantien und die Stationierung amerikanischer UNO‑Blauhelme als Garantie gegenüber Israel an – beide Vorschläge erscheinen angesichts der bisherigen Praxis der hierfür zustimmungsbedürftigen Staaten heute als wenig realistisch. Auch in Fragen der konventionellen Abrüstung liege die Verantwortung vor allem bei den wenigen, aber in der UNO besonders einflussreichen globalen Hauptexporteuren von Waffen – darunter auch Deutschland. Neben konkreten Problemlösungen – für deren Fehlen vor allem das mangelnde Interesse der Mitgliedstaaten ursächlich ist – ist Multilateralismus unter Nutzung der Vereinten Nationen für Zumach die Alternative zu einer „militärisch definierte[n] multipolare[n] Machtbalance oder gar nur eine[r] neue[n] bipolare[n] Weltordnung der G‑2 [USA und China]“ (14).
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.34.414.432.632.61 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Andreas Zumach: Globales Chaos – machtlose UNO. Zürich: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38998-globales-chaos--machtlose-uno_47028, veröffentlicht am 22.10.2015. Buch-Nr.: 47028 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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