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Nasarbajew – unser Freund, der Diktator

Viktor Khrapunov

Nasarbajew – unser Freund, der Diktator. Kasachstans schwieriger Weg zur Demokratie

Stuttgart: ibidem-Verlag 2015; 193 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-8382-0727-8
Kasachstan wird seit 1990 von Nursultan Nasarbajew regiert, den der Autor als Diktator bezeichnet und ihm unter anderem Korruption, politische Morde und Nepotismus vorwirft. Viktor Khrapunov legt damit eine Art autobiografische Abrechnung vor. Er selbst war Bürgermeister von Almaty und Energieminister Kasachstans, bis er 2007 ins Schweizer Exil floh. Mit seinem Buch sollen die Missstände angeprangert, aber auch ein Weg hin zur Demokratisierung des Landes aufgezeigt werden. Khrapunov schreibt, er sei „Fachmann für Energiefragen“ und ein „geschickter Manager“ gewesen, habe aufopferungsvoll für sein Land gearbeitet und versucht, die „institutionalisierte Plünderung“ (7) der Reichtümer seines Volkes aufzuhalten. Er sei aber immer nur Beamter und kein Politiker gewesen. Seit seinem Bruch mit dem System würden er und seine Familie mit Anklagen und Verleumdungskampagnen verfolgt: Kasachstan werfe ihm millionenschwere Veruntreuung vor und verlange seine Auslieferung. Da er keine Chance auf eine rechtstaatliche Verteidigung sehe, sei er nun entschlossen, zum Gegenangriff überzugehen. Als „Augenzeuge der Schandtaten des Regimes“, als „David gegen Goliath“ (8) wolle er nun seine Ehre verteidigen und Nasarbajew bloßstellen, der trotz seiner Gier und seines autokratischen Verhaltens, so Khrapunov, immer noch international hohes Ansehen genieße. Der Autor sieht sein Buch also als Vergeltungsmaßnahme und so liest es sich dann auch. Khrapunov schreibt über persönliche Beleidigungen, Intrigen und politische Winkelzüge verschiedener Clans, Politiker und Oligarchen. Als der Präsident ihn zur Rückkehr nach Kasachstan gedrängt habe, habe er einen Posten als Gegenleistung gefordert: „Entweder der Präsident ernennt mich zum Premierminister, wie er es mir schon zwei Mal versprochen hat. [… Oder] zum Minister für Energie und Bodenschätze […] oder […] zum Bürgermeister von Almaty.“ (154) Die eigene Involviertheit des Autors in das Regime und die fehlende Objektivität und Nachprüfbarkeit der Darstellungen schränken den wissenschaftlichen Wert des Buches erheblich ein. Zu Recht wird es vom Verlag als Sachbuch eingeordnet. Die Veröffentlichung ist wohl als Teil einer aufwändigen Auseinandersetzung zwischen den Regierenden in Kasachstan und mehreren prominenten Dissidenten im Ausland zu sehen. In den deutschen Medien wurde der Konflikt zuletzt publik, weil auch mehrere europäische namhafte Anwaltskanzleien, ehemalige Politiker und andere Lobbyisten für die eine oder die andere Seite engagiert sind.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 2.682.242.252.12.2 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Viktor Khrapunov: Nasarbajew – unser Freund, der Diktator. Stuttgart: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38984-nasarbajew--unser-freund-der-diktator_47526, veröffentlicht am 15.10.2015. Buch-Nr.: 47526 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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