Portal für Politikwissenschaft

Barrierefreie Partizipation

Miriam Düber / Albrecht Rohrmann / Marcus Windisch (Hrsg.)

Barrierefreie Partizipation. Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze auf dem Weg zu einer neuen Kultur der Beteiligung

Weinheim/Basel: Beltz Juventa 2015; 420 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-7799-3289-5
Teilhabe ist in der politischen Theorie spätestens seit den 1970er‑Jahren ein Thema und hat zur Etablierung einer eigenen Theorieströmung, der Theorie der partizipativen Demokratie, geführt. In den Debatten um Teilhabechancen und Mitwirkungsmöglichkeiten wurde jedoch bislang weitgehend die Frage ausgeklammert, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit auch Menschen mit Behinderungen von ihnen profitieren können. Hier existiert eine Fülle von Barrieren, die benachteiligten Menschen den Zugang zur Politik erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Vor diesem Hintergrund entwickeln die Herausgeber_innen den Begriff der „barrierefreien Partizipation“ und fragen nach politischen Voraussetzungen und Maßnahmen, um behinderte Menschen an Prozessen der politischen Selbstbestimmung teilhaben zu lassen. Wichtig sind hier vor allem Hilfestellungen auf kommunaler Ebene, angefangen von Inklusion in Kindertagesstätten über Behindertenbeauftragte und Behindertenräte bis hin zu inklusiver Menschenrechtsbildung in schulischen und außerschulischen Kontexten. Eine solche Ausweitung des Teilhabebegriffs folgt keinem philanthropischen Prinzip, sondern kann vor dem Hintergrund der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen als Umsetzung menschenrechtlicher Standards interpretiert werden. Bei der Implementierung dieser Standards in nationales (Verfassungs‑)Recht bestehen allerdings europaweit große Differenzen, wie insbesondere die Beiträge von Eva Konieczny und Tamara Sergeev aufzeigen. Die Realisierung effektiver Teilhabechancen wird über die rechtlichen Rahmenbedingungen hinaus von der Inklusion Behinderter ins Bildungssystem abhängen, da hier wesentliche (kognitive und soziale) Voraussetzungen für Teilhabe geschaffen werden. Das Ziel des Bandes ist es, für die bestehenden Barrieren für Partizipation zu sensibilisieren und das Konzept der barrierefreien Partizipation als kritisches Korrektiv für die Bewertung und Konzeptualisierung politischer Reformprozesse zu etablieren.
Florian Weber, M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.2 | 2.325 | 4.42 | 2.22 | 2.262 | 2.32 | 2.343 | 2.342 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Miriam Düber / Albrecht Rohrmann / Marcus Windisch (Hrsg.): Barrierefreie Partizipation. Weinheim/Basel: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38931-barrierefreie-partizipation_47418, veröffentlicht am 01.10.2015. Buch-Nr.: 47418 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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