Portal für Politikwissenschaft

Monsieur le Capital und Madame la Terre

Gerhard Armanski

Monsieur le Capital und Madame la Terre. Blauer Planet im Würgegriff

Münster: Westfälisches Dampfboot 2015; 265 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-712-6
Dass sich „das blaue ‚Raumschiff Erde’“ (44), dass sich also die globalen Ökosysteme in einem – gelinde gesagt – traurigen Zustand befinden, daran besteht wohl kaum ein ernstzunehmender Zweifel. Erst unlängst hatte Naomi Klein den Zusammenhang zwischen globalem Kapitalismus und Klimakatastrophe eingehend analysiert. Gerhard Armanskis Band geht in eine ähnliche Richtung, er fragt nach dem Wechselverhältnis zwischen kulturell‑gesellschaftlich gewordenen Lebensbedingungen und der Verfügbarmachung der Natur und ihrer Ressourcen im Dienste dieser Bedingungen. „Die Menschheit“, so stellt er fest, „ist in planetarischem Maßstab zum Treiber des Umweltwandels geworden, indem sie materiell und ideell die Natur in nie dagewesener Intensität durchwirkt“ (9). Was daraus folgt, wenn etwa internationale Fangflotten jährlich hunderte Millionen Tonnen Fisch aus den ohnehin schon zu globalen Müllkippen verkommenen Meeren ziehen, ist ebenso klar: Die moderne Ökonomisierung und der mit ihr einhergehende Ressourcenverbrauch auf der einen und die „ökologischen Konsequenzen ökonomischen Handelns“ (45) auf der anderen Seite erweisen sich als unvereinbar. Von dieser Diagnose ausgehend fordert Armanski einen „grünen ‚New Deal’“, der neben massiver Investitionen in Ressourcenproduktivität zudem auch eine „Drosselung des Konsums“ zum Gegenstand haben müsste. Dass dabei der Staat als öffentlicher Investor vorangehen muss, steht außer Frage, wiewohl ebenso klar ist, dass ein Übergang von einer materiellen hin zu einer konsumferneren und in diesem Sinne immaterielleren Welt letztlich auf einer Vielzahl individueller Verhaltensentscheidungen und ‑umstellungen angewiesen ist. Ein „naturverträglicher Lebensstil“ (254), so ist Armanski sicher, hat auch heute schon einen Ort: Er liege jenseits der kapitalistischen Gegenwartsgesellschaften. Ein Ausstieg in den Umstieg, der dann primär dezentral und pluralistisch „Reformerisches“ (250) verwirklichen könnte, sei auch heute schon möglich. Dass er notwendig ist, steht außer Frage.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.454.432.2 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Gerhard Armanski: Monsieur le Capital und Madame la Terre. Münster: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38853-monsieur-le-capital-und-madame-la-terre_47361, veröffentlicht am 10.09.2015. Buch-Nr.: 47361 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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