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Politische Legitimität und politischer Raum im Wandel

Ulf Kemper

Politische Legitimität und politischer Raum im Wandel. Eine historisch-systematische Studie zu einem Kontextverhältnis

Wiesbaden: Springer VS 2015; 407 S.; 49,99 €; ISBN 978-3-658-09596-3
Politikwiss. Diss. Duisburg‑Essen; Begutachtung: R. Martinsen, A. Niederberger. – Was ist unter politischer Legitimität zu verstehen? Trotz der Vielzahl vorhandener Definitionsversuche und Theorien verfolgt Ulf Kemper das Ziel, zur Beantwortung dieser Frage eine neue Theorie zu entwickeln. Seine leitende Fragestellung ist dabei, „wie der historische Wandel von den politisch geschlossenen Staaten der Neuzeit zur Konstitution einer Vielzahl von neuen politischen Räumen, die neben, unter und über dem Nationalstaat zu verordnen sind, in der Genese einer neuen politischen Legitimitätstheorie verarbeitet werden sollte“ (55). Die Kombination mehrerer Forschungsmethoden eröffnet Kemper dabei einen neuen, erweiterten Zugang; neben der Einzeltheorieanalyse und dem Theorienvergleich stützt er sich methodisch auf die Reaktualisierung und Theorieninnovation. Er verfolgt dabei die These, dass sich „neue legitimitätstheoretische Herausforderungen der Gegenwart“ ergeben: „Der Staat kann den Alleinvertretungsanspruch nicht mehr aufrecht erhalten und muss […] sich der Diversität politischer Räume anpassen und mit neu auf der politischen Bühne agierenden Akteuren, wie sozialen Bewegungen, NGOs und Menschenrechtsorganisationen, kommunizieren.“ (73) Er analysiert daher den ideengeschichtlichen Wandel der Überlegungen zu Legitimation und Raum und geht von klassischen Theorien bis zu postklassischen Ansätzen beispielsweise von Colin Crouch. Für Erstere resümiert Kemper, sie böten „die Möglichkeit zur Rekonstruktion für die neue Räumeordnung in der spätmodernen Zeit von Globalisierung und Europäisierung und für die intendierte neue Legitimitätstheoriegenese“ (378). Aus seiner umfangreichen und gründlichen Analyse heraus entwickelt Kemper das Kontextverhältnis, in das für ihn politische Legitimität und politischer Raum zu setzen sind. Sein Raummodell basiert dabei auf einem internationalen Mehrebenensystem mit notwendigen Elementen: „In allen Bereichen […] sollen entweder demokratische Wahlen und Parlamentarismus, Deliberations‑ und Aushandlungsprozesse oder direktdemokratische Abstimmungen stattfinden […]. Die Autonomie zivilgesellschaftlicher Räume ist quer durch alle Ebenen und Einheiten zu gewährleisten.“ (393)
Simone Winkens, M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 5.15.335.415.425.46 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Ulf Kemper: Politische Legitimität und politischer Raum im Wandel. Wiesbaden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38827-politische-legitimitaet-und-politischer-raum-im-wandel_47298, veröffentlicht am 03.09.2015. Buch-Nr.: 47298 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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