Portal für Politikwissenschaft

Renate Höpfinger / Henning Rader / Rudolf Scheutle (Hrsg.)

Franz Josef Strauß - Die Macht der Bilder

München: Allitera Verlag 2015; 128 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-86906-745-2
„Welche andere Figur der alten Bundesrepublik wäre heute noch in der Lage, derart satirische Sprengkraft zu entfalten“ (110), fragt der Kabarettist Helmut Schleich, der selbst gelegentlich Franz Josef Strauß parodiert. Tatsächlich ist der ehemalige bayerische Ministerpräsident auch fast 30 Jahre nach seinem Tod noch – beziehungsweise nach den ersten Jahren der „gedämpft[en]“ (114) Erinnerung wieder – präsent und gilt als Maßstab für seine Nachfolger. Die Herausgeber sprechen sogar von einer „Mythisierung seiner Person“ (6) und legen anlässlich einer Ausstellung zum 100. Geburtstag des Christsozialen im September 2015 einen Bildband vor. Darin sollen am „konkreten Beispiel von Franz Josef Strauß […] die Strategien der Imagebildung und Inszenierung eines Politikers, seine mediale Darstellung wie auch die visuelle ‚Demontage‘ aufgezeigt“ (5) werden. Das geschieht auf unterschiedliche Weise, geboten werden sowohl eher allgemeine Beiträge als auch lesenswerte Aufsätze. Zu letzteren gehören beispielsweise diejenigen über die Wahlkampfwerbung und entsprechende Kampagnen. So ist zu erfahren, dass Strauß „der politischen Werbung und Öffentlichkeitsarbeit kein besonderes Interesse entgegenbrachte“ (Doris Gerstl, 38), aber trotzdem bei der Bundestagswahl 1980 „das innovativste Wahlplakat der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung“ hatte, weil er sich als erster „Spitzenkandidat im Bund gemeinsam mit einem Familienmitglied plakatieren“ (52) ließ. Insgesamt sollte jedoch berücksichtigt werden, dass das Buch eine Kooperation des Münchner Stadtmuseums und der CSU‑nahen Hanns‑Seidel‑Stiftung ist, weshalb ziemlich wohlwollend, fast schon heroisierend auf den Politiker, der Freund und Feind stark polarisieren konnte, geschaut wird. So heißt es am Ende des Buches: „Und im geplanten Museum bayerischer Geschichte in Regensburg, das um 1800 einsetzt, werden nur zwei Personen auf Großbühnen herausgestellt: König Ludwig II. und Franz Josef Strauß“ (124). Aber bei diesem Buch kommt es ohnehin weniger auf den Text als vielmehr auf die zahlreichen Fotos an, die den Leser auf eine Reise in die deutsche Geschichte mitnehmen.
Hendrik Träger, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.32.333 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Träger, Rezension zu: Renate Höpfinger / Henning Rader / Rudolf Scheutle (Hrsg.): Franz Josef Strauß - Die Macht der Bilder München: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38809-franz-josef-strauss---die-macht-der-bilder_47567, veröffentlicht am 27.08.2015. Buch-Nr.: 47567 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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