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Structures of the World Political Economy and the Future Global Conflict and Cooperation

Christian Suter / Christopher Chase-Dunn (Hrsg.)

Structures of the World Political Economy and the Future Global Conflict and Cooperation

Wien/Berlin: Lit 2014 (World Society Studies 2014); X, 349 S.; pb., 18,90 €; ISBN 978-3-643-80184-5
Im Mittelpunkt des Sammelbands steht die Frage nach der Bedeutung der weltwirtschaftlichen Krise seit 2009 für die globalen Strukturen. Aus der Perspektive der Weltsystemtheorie widmen sich die von den Soziologen Christian Suter und Christopher Chase‑Dunn versammelten Autor_innen daher grundlegenden Fragen der politischen Ökonomie einer Weltgesellschaft. Analysiert wird, inwiefern es sich bei den jüngeren politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen auf globaler Ebene um strukturelle Veränderungen des kapitalistischen Modells der Weltwirtschaft oder – ganz im Gegenteil – um die inhärenten, systematischen und somit charakteristischen Krisen dieser Wirtschaftsordnung handelt. Mit diesem „Paradoxon von Stabilität und Wandel“ (3) im Hinterkopf decken die Autor_innen ein breites Spektrum von Themen ab, die in drei, dem Verständnis der Herausgeber nach die Kernbereiche der weltgesellschaftlichen Ordnung definierende Teile zusammengefasst sind: Welt‑Ökonomie, Welt‑Polity und Welt‑Ökologie („world‑ecology“, 282). Jenny Chesters unternimmt beispielsweise den Versuch, den Effekt des Neoliberalismus auf die globale Wohlstandsverteilung zwischen 1987 und 2011 zu analysieren. Dabei konzentriert sie sich auf den Vergleich zwischen drei Staaten des globalen Zentrums (USA, Großbritannien sowie Deutschland) und drei „semi‑periphere“ (81) Länder (Indien, Russland und China). Als Metrik dient ihr die anhand der Forbes‑Liste der weltweit wohlhabendsten Menschen ermittelte Zahl von Milliardären in diesen Staaten. Ihr zufolge wurde das globale Vermögen „vom Zentrum zur Semiperipherie umverteilt“ (96). Dieser Redistribution vorangegangen ist eine Verlagerung von Industriejobs, die anders als die Vermögenswerte in ihrer Zahl nicht durch den Finanzsektor aufgefangen werden konnten. In eine andere Richtung arbeitet Jason W. Moore, wenn er in seinem marxistisch‑inspirierten Beitrag das Ende von „cheap nature“ (285) postuliert. Gemeint ist damit die mit dem Aufstieg des Kapitalismus begründete zivilisatorische Strategie der Trennung von Natur und menschlicher Aktivität. Durch diesen Schritt sei die Steigerung der Produktivität menschlicher Arbeit zwecks Gütererzeugung anstelle der Produktivität von Boden als Messkriterium für die Generierung von Wohlstand erst ermöglicht worden. Am Ende will der Autor diese Erklärung allerdings lediglich als Einleitung zu einer weitergehenden Diskussion über das Verhältnis von Kapitalismus und Natur verstanden wissen. Den Anlass des Sammelbands bildete eine im April 2013 vom Institute for the Research on World‑Systems (IROWS) und der World Society Foundation (WSF) organisierte Konferenz.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.434.14.412.642.682.674.45 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Christian Suter / Christopher Chase-Dunn (Hrsg.): Structures of the World Political Economy and the Future Global Conflict and Cooperation Wien/Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38762-structures-of-the-world-political-economy-and-the-future-global-conflict-and-cooperation_46588, veröffentlicht am 20.08.2015. Buch-Nr.: 46588 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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