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Engels neu entdecken

Elmar Altvater

Engels neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die "Dialektik der Natur" und die Kritik von Akkumulation und Wachstum

Hamburg: VSA 2015; 190 S.; 12,- €; ISBN 978-3-89965-643-5
Nach seiner vor drei Jahren erschienenen Marx‑Einführung (siehe Buch‑Nr. 42054) widmet sich Elmar Altvater in ähnlich unterhaltsamer Weise nun dessen engstem Freund und kongenialem Partner. Dies ist nicht nur aufgrund des Anlasses zweier Jubiläen erfreulich (2015 jährt sich zum 120. Mal Engels Todestag sowie zum 90. Mal die posthume Veröffentlichung von Engels „Dialektik der Natur“); darüber hinaus finden sich – jenseits spezialisierter Zirkel – immer noch recht wenig anschauliche Einführungen in Engels‘ eigene Schriften. Dass er nicht nur im Schatten von Marx stand und dessen Werk weitgehend reproduzierte, sondern durchaus einen gewichtigen Teil zur Entwicklung dessen beitrug, was wir heute als marxistische Theorie kennen, wird dabei ebenso deutlich wie die anhaltende Aktualität von Engels' Schriften, insbesondere mit Blick auf die gegenwärtig immer drängender werdenden Fragen des Zusammenhangs von ökonomischem Wachstum und ökologischen Krisen. Aus diesem Grund geht Altvater auch über eine reine Einführung in Engels‘ Schriften hinaus. Die ersten drei Kapitel des Buches stellen zunächst ausführlich die „Dialektik der Natur“ sowie ihre Rezeptionsgeschichte dar. Im weiteren Verlauf stehen vor allem aktuelle Fragen zum Zusammenhang zwischen kapitalistischer Wertschöpfung und ökologischer Ausbeutung im Zentrum. Marx und – vor allem – Engels haben als Erste erkannt, welchen fundamentalen Paradigmenwechsel die industrielle Revolution mit sich brachte: „Die Geschichte der kapitalistischen Gesellschaftsformation reicht in Europa mindestens bis ins 14. Jahrhundert zurück, aber der Übergang zur ‚Großen Industrie‘ und zur Nutzung der fossilen Energieträger ist ein Einschnitt, dessen Reichweite Marx und Engels zu ihrer Zeit hervorgehoben haben, dem aber erst heute in den Debatten über das Anthropozän, das Kapitalozän oder die ‚Menschheit 2.0‘ Rechnung getragen wird" (8), wie der Autor bereits zu Beginn vermerkt. Diesbezüglich lohnt es, gegenwärtige Problemlagen auch auf die Frage hin zu diskutieren, welche theoretischen Beiträge von Engels hierüber auch heute noch zusätzlichen Erkenntnisgewinn versprechen. Die Verknüpfung von aktuellen Debatten und einer Einführung in Engels eigene Analysen gelingt Elmar Altvater in übersichtlicher und überzeugender Weise. Das Buch schließt mit einem Nachdruck zweier Texte von Friedrich Engels über „Die Naturforschung in der Geisterwelt“ sowie den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“.
Björn Wagner, Dipl.-Politologe, Dresden.
Rubrizierung: 5.455.33 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Elmar Altvater: Engels neu entdecken. Hamburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38739-engels-neu-entdecken_46885, veröffentlicht am 13.08.2015. Buch-Nr.: 46885 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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