Portal für Politikwissenschaft

50 Jahre Sozialhilfe

Jonathan I. Fahlbusch (Hrsg.)

50 Jahre Sozialhilfe. Eine Festschrift

Berlin: Eigenverlag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge 2012 (Sozialhilfe und Sozialpolitik 10); 299 S.; kart., 29,80 €; ISBN 978-3-7841-2105-5
Vor gut fünfzig Jahren ist das Bundessozialhilfegesetz in Kraft getreten, Grund genug für Jonathan Fahlbusch, „die Sozialhilfe in den Zeitverläufen und Ausblicken einer vertieften Analyse zu unterziehen und dazu eine Festschrift vorzulegen“ (7). Der Herausgeber möchte so die Bedeutung der Sozialhilfe würdigen und sie systematisch in der Sozialpolitik verorten. Entsprechend sind die einzelnen Beiträge spezifischen Aspekten der Sozialhilfe aus rechtswissenschaftlicher, historischer, sozialpolitischer, volkswirtschaftlicher, sozialwissenschaftlicher und philosophischer Sicht gewidmet. Im ersten Teil wird ein guter Überblick über die Grundlagen der Sozialhilfe gegeben. Besonders hervorzuheben ist hier der Beitrag von Hans Michael Heinig, der aus einer verfassungstheoretischen Perspektive den Konnex zwischen Menschenwürde und Sozialstaatlichkeit nachzeichnet. In einem ersten Schritt stellt er heraus, dass die Lösung der sozialen Frage und der Schutz der menschlichen Würde durchaus disparat behandelt werden können, es aber insbesondere im 20. Jahrhundert „zu einer Art Crossover von Würdeinklusion und Sozialstaatsinklusion“ (22) kommt. In einem zweiten Schritt werden dann die Garantie der Menschenwürde und das Sozialstaatsgebot im Spiegel von Normtexten, Rechtsprechung und Rechtswissenschaft beleuchtet. Sodann würdigt Heinig die drei Strategien (Mindestegalisierung, Prozeduralisierung und Konstitutionalisierung), die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben, um das Quantifizierungsproblem (verfassungsgebotene Leistungshöhe zur Sicherung des Existenzminimums) zu bearbeiten. Schließlich geht er noch kurz auf die jüngste Rechtsprechung des BVG ein, das sich in seinem Urteil den Prozeduralisierungsansatz zu eigen gemacht hat. Im dritten Teil der Edition, der der Hilfe zum Lebensunterhalt widmet ist, befasst sich Simone Brandmayer mit einem hochaktuellen Thema: dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Wie sie eindrücklich herausstellt, ist die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes umstritten, die Leistungen liegen deutlich unter den Regelsätzen in der Grundsicherung. Entsprechend hat sich seit der Einführung des AsylbLG 1993 „die Lebenssituation von Flüchtlingen in Deutschland in vielerlei Hinsicht verschlechtert“ (287).
Ines Weber, M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.342 | 2.3 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Jonathan I. Fahlbusch (Hrsg.): 50 Jahre Sozialhilfe. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38732-50-jahre-sozialhilfe_44427, veröffentlicht am 13.08.2015. Buch-Nr.: 44427 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...