Portal für Politikwissenschaft

Security, Democracy and Development in the Southern Caucasus and the Black Sea Region

Ghia Nodia / Christoph H. Stefes (Hrsg.)

Security, Democracy and Development in the Southern Caucasus and the Black Sea Region

Bern u. a.: Peter Lang 2015 (Interdisciplinary Studies on Central and Eastern Europe 14); 380 S.; 87,30 €; ISBN 978-3-0343-1300-1
Während die Ukraine‑Krise die Schlagzeilen beherrscht, sind andere Konflikte in der Schwarzmeerregion wieder in den medialen Hintergrund getreten. Und doch sind auch die Kaukasusstaaten Aserbaidschan, Armenien, Georgien von tiefgreifenden Wandlungsprozessen betroffen, wobei externe Akteure wie die Europäische Union, die USA und Russland einigen Einfluss nehmen. Der Analyse solcher Prozesse unter den Schwerpunkten Wahlen und Systemwechsel, Einflüsse von außen, Veränderungen von Identitätswelten, Umgang mit ungelösten Konflikten und den de facto‑Staaten der Region – Nagorno‑Karabakh, Abchasien und Südossetien – sowie Energiepolitik besonders in ihrer außenpolitischen Dimension widmen sich die Beiträger_innen des Bandes. Diese sind in den betroffenen Staaten selbst sowie an Universitäten in Europa und den USA tätig – Innen‑ und Außensicht werden so miteinander verbunden. Die Aufsätze gehen zurück auf eine internationale Tagung in Istanbul im Oktober 2012. Einleitende und zusammenfassende Bemerkungen der Herausgeber bilden einen Rahmen, in dem die Einzelstudien sinnvoll aufeinander bezogen und einige verallgemeinerbare Beobachtungen ermöglicht werden. Der Schwerpunkt (westlicher) sozialwissenschaftlicher Studien zur Region bezieht sich demnach auf Georgien, dessen politisch‑gesellschaftliches System und dessen außenpolitische Orientierung den eigenen Vorstellungen am nächsten scheinen. Armenien und besonders Aserbaidschan treten weit dahinter zurück. Dieser mit Blick auf die anglo‑amerikanische Wissenschaftswelt getroffene Befund korrespondiert mit der deutschen Forschungslandschaft, wo etwa der Geschichte Aserbaidschans lediglich ein Universitätslehrstuhl gewidmet ist (der noch dazu vom aserbaidschanischen Staat finanziert wird). Aber gerade im Nebeneinander junger demokratisch‑zivilgesellschaftlicher und (semi‑)autoritärer Strukturen sowie unterschiedlicher wirtschaftlicher Systeme bietet die Region ein Panorama unterschiedlicher Strategien im Umgang mit den Wandlungsprozessen nach der Auflösung der Sowjetunion. Besonders deren asynchroner Verlauf wird im Blick auf die Beiträge des Bandes deutlich. Eine wichtige Rolle spielen nach wie vor die ungelösten Territorialfragen, die zur nationa(listisch)en Mobilisierung herangezogen werden und ein Primat sicherheitspolitischer Fragen auch in der Innenpolitik bedingen. Politische Stabilität scheint damit kaum erreichbar – ein Befund, der auch für den weiteren Verlauf der Ukraine‑Krise wenig zuversichtlich stimmt.
Martin Munke, M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.632.642.252.224.424.224.452.2632.234.41 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Ghia Nodia / Christoph H. Stefes (Hrsg.): Security, Democracy and Development in the Southern Caucasus and the Black Sea Region Bern u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38706-security-democracy-and-development-in-the-southern-caucasus-and-the-black-sea-region_47383, veröffentlicht am 30.07.2015. Buch-Nr.: 47383 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...