Portal für Politikwissenschaft

Was kostet die Natur?

Christoph Kehl, unter Mitarbeit von Arnold Sauter

Was kostet die Natur? Wert und Inwertsetzung von Biodiversität

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag 42); 319 S.; 27,90 €; ISBN 978-3-8487-2064-4
Die mangelnden Erfolge ordnungsrechtlicher Instrumente zum Schutz der biologischen Vielfalt haben zu einer Neujustierung in Richtung einer stärker ökonomisch ausgerichteten Biodiversitätspolitik geführt. Da es sich bei der Biodiversität um einen hoch komplexen, schwer greifbaren, zudem zeit‑ und ortsabhängigen Gegenstand handelt, ist allein deren ökonomische Bewertung mit erheblichen methodischen Herausforderungen verbunden, ganz zu schweigen von daraus sich ergebenden ethisch‑moralischen Wertekonflikten. Vor diesem Hintergrund wurde das Büro für Technikfolgen‑Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) beauftragt, „die wissenschaftlichen Grundlagen und politischen Perspektiven dieser Entwicklung“ (9) zu beleuchten. Mit diesem Band stellt Christoph Kehl die Ergebnisse des TA‑Projektes vor, das neben der Auswertung der wissenschaftlichen Literatur die Vergabe von sechs externen Gutachten umfasste, mit denen Schnittstellen zwischen einzelnen Themenbereichen und die internationale Perspektive des Themas berücksichtigt wurden. Zunächst erfolgt ein Überblick über den Stand der deutschen Biodiversitätsforschung sowie über die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der nationalen, europäischen und internationalen Biodiversitätspolitik. Hierbei zeigt sich, dass angesichts der „komplexen Wirkungszusammenhänge in Ökosystemen […] noch viele Kenntnislücken [bestehen], die geschlossen werden müssten, um eine valide Grundlage für die Inwertsetzung von Biodiversität zu schaffen“ (75). Folglich ist auch die ökonomische Umweltbewertung mit großen Unsicherheiten behaftet, wie die weiteren Ausführungen deutlich machen. „Nicht zuletzt aus gerechtigkeitstheoretischen Überlegungen heraus“, so Kehl, „sind die Ergebnisse ökonomischer Bewertungen deshalb in einem breiteren gesellschaftlichen Abwägungsrahmen einzubetten, der auch außerökonomische, also nicht direkt kosten‑ und nutzenbezogene Aspekte einbezieht“ (155). Insofern plädiert Kehl für einen Instrumentenmix und dafür, den Schutz der biologischen Vielfalt als globale politische Querschnittsaufgabe zu verstehen, die „nicht allein dem Markt überlassen werden sollte“ (291).
Anke Rösener, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2612.3413.52.652.662.672.68 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Christoph Kehl, unter Mitarbeit von Arnold Sauter: Was kostet die Natur? Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38676-was-kostet-die-natur_47197, veröffentlicht am 23.07.2015. Buch-Nr.: 47197 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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