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Transnationale Unternehmen als Friedensstifter: Eine Analyse zur Corporate Security Responsibility

Alen Bosankic

Transnationale Unternehmen als Friedensstifter: Eine Analyse zur Corporate Security Responsibility

Stuttgart: ibidem-Verlag 2014; X, 252 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-8382-0650-9
Politikwiss. Diplomarbeit Frankfurt a. M.; Betreuung: T. Brühl. – Unter dem Label der Corporate Social Responsibility (CSR) haben sich insbesondere transnationale Unternehmen (TNCs) zum Teil selbst verpflichtet, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, indem sie entweder sozialverträglich und nachhaltig wirtschaften oder sich in sozialen oder kulturellen Bereichen engagieren. Alen Bosankic überträgt diese durchaus kontrovers beurteilte Rolle der Unternehmen im Rahmen von Governance‑Prozessen auf den Forschungsbereich der Internationalen Beziehungen und fragt, ob und inwieweit TNCs im Rahmen der Selbst‑Governance in Konfliktsituationen friedensstiftend agieren können. Als Analyserahmen dient ihm das das von Deitelhoff und Wolf in Anlehnung an das CSR‑Konzept entwickelte Forschungsprogramm der Corporate Security Responsibility (CSecR), „das die Generierung deskriptiven und kausalen Wissens zu unternehmerischen Beiträgen und dessen Systematisierung zulässt“ (16). Der Autor unterzieht die darin enthaltenen Variablen und vermuteten Zusammenhänge einer empirischen Prüfung, wobei er keine vergleichende Fallstudienanalyse, sondern – als „innovative[s] Moment“ seiner als beste Abschlussarbeit des Wintersemesters 2012/13 gekürten Studie – eine „auf größere Fallzahlen angelegte[.]“ (18) sogenannte Multi Value Qualitative Comparative Analysis vornimmt. Bei der mehrstufigen Fallauswahl wurde eine breite Varianz der angenommenen Bedingungsfaktoren – Akteurs‑, Produkt(ions)‑ und Geschäftsumgebungsmerkmale einerseits sowie Konfliktcharakteristika andererseits – berücksichtigt. Sie umfasst 39 Fälle, die sich auf Nigeria, Indien und Indonesien beziehen. Sie bilden die Grundlage für den anschließenden Hypothesentest, der den Kern der Arbeit ausmacht. Im Ergebnis erweisen sich nahezu alle Variablen des Analysemodells als in dem einen oder anderen Ausmaß relevant, um ein friedensstiftendes Engagement der TNCs zu erklären. Damit kann der Autor seine Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen spezifischen Charakteristika von TNCs und ihrem Governance‑Beitrag auf dem Gebiet von Sicherheit und Frieden positiv beantworten. Da es in der Studie nicht darum ging, Aussagen zum Governance‑Potenzial an sich zu generieren (sondern die Machbarkeit des Hypothesentests zu beweisen), kann Bosankic hierzu nur allgemein konstatieren, „dass die CSecR nicht mehr als eine weitere Spielart des CSR ist, sie allerdings noch lange nicht so etabliert ist wie diese“ (191).
Anke Rösener, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.414.43 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Alen Bosankic: Transnationale Unternehmen als Friedensstifter: Eine Analyse zur Corporate Security Responsibility Stuttgart: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38619-transnationale-unternehmen-als-friedensstifter-eine-analyse-zur-corporate-security-responsibility_46734, veröffentlicht am 09.07.2015. Buch-Nr.: 46734 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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