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Erinnerungsorte der extremen Rechten

Martin Langebach / Michael Sturm (Hrsg.)

Erinnerungsorte der extremen Rechten

Wiesbaden: Springer VS 2015 (Edition Rechtsextremismus); 303 S.; softc., 39,99 €; ISBN 978-3-658-00130-8
Die Betätigung auf dem Feld der Geschichte bleibt ein Schwerpunkt der extremen Rechten. Sie ist sowohl Fluchtpunkt als auch Vorlage für zu Schaffendes. Martin Langebach und Michael Sturm haben in diesem Sammelband Einzelstudien über verschiedene Erinnerungsorte, die Teil des rechtsextremen kollektiven Gedächtnisses geworden sind, zusammengeführt. Die Autorinnen und Autoren fragen dabei jeweils „nach den Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für dessen Entstehung und Tradierung im Kontext der extremen Rechten“ (13). Die thematische Bandbreite umfasst dabei nur vier direkte Lokalitäten, darunter die Wewelsburg und der Annaberg. Daneben geht es unter anderem auch um ideen‑ und zeitgeschichtliche Bezugspunkte wie die Konservative Revolution oder den 1. Mai als Tag der Arbeit. Beleuchtet wird überwiegend rechte Geschichtspolitik, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus befasst. Wie der Band zeigt, kann dies sowohl in verherrlichender als auch in leugnender oder ablehnender Form geschehen, ohne dass dabei das rechte Weltbild erschüttert würde. Das Anliegen der Herausgeber und Autor_innen, die Narrative der extremen Rechten nicht nur zu widerlegen, sondern sie auch bezüglich ihres Wirkungsgrades und Mobilisierungspotenzials zu überprüfen, hebt den Band gegenüber der bisherigen Forschung zu diesem Themenfeld heraus. Es zeigt sich dabei, dass Geschichtspolitik für verschiedene Strömungen – von der NPD bis zu den Freien Kräften – vermehrt als gemeinsames Agitationsfeld genutzt wird und damit auch die Funktion der Gemeinschaftsbildung innerhalb der rechten Szene erfüllt. Weitere Studien zu darüber hinausgehenden Erinnerungsorten scheinen aber notwendig, da nur ein Teil des kollektiven Gedächtnisses der extremen Rechten aufgegriffen werden konnte. An den untersuchten Erinnerungsorten zeigt sich aber bereits, wie wichtig dieses Themenfeld für die extreme Rechte ist, da es ihr hiermit auch gelingt, die gesellschaftliche Mitte und deren „geschichtskulturellen Diskurse“(10) zu beeinflussen.
Ronny Noak, B.A., Politikwissenschaftler, Student, Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Rubrizierung: 2.372.35 Empfohlene Zitierweise: Ronny Noak, Rezension zu: Martin Langebach / Michael Sturm (Hrsg.): Erinnerungsorte der extremen Rechten Wiesbaden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38608-erinnerungsorte-der-extremen-rechten_47234, veröffentlicht am 02.07.2015. Buch-Nr.: 47234 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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