Portal für Politikwissenschaft

David Bebnowski

Die Alternative für Deutschland. Aufstieg und gesellschaftliche Repräsentanz einer rechten populistischen Partei

Wiesbaden: Springer VS 2015 (essentials); VII, 46 S.; 9,99 €; ISBN 978-3-658-08285-7
Ist die „Alternative für Deutschland“ (AfD) nun konservativ oder rechtspopulistisch? Diese Frage lässt sich heute wahrscheinlich noch weniger als bei der AfD‑Gründung im Februar 2013 beantworten. Deshalb ist es reizvoll, dass David Bebnowski kurz und knapp „eine mehrdimensionale Bestandsaufnahme der AfD über die Entwicklung der Partei, prägende Persönlichkeiten und die Weltanschauung der AfD“ (3) vorlegt. Der Autor geht zunächst auf die „[i]deologische[n] Bausteine“ (5) der Partei ein und arbeitet heraus, dass die AfD konservative, marktliberale und populistische Strömungen umfasst. Das Konservative werde vor allem an dem traditionellen Familienbild und der strikten Einwanderungspolitik deutlich. Die liberalen Positionen „beschränken sich […] jenseits von Selbstverständlichkeiten wie Gewaltenteilung und Presse‑ wie Meinungsfreiheit auf neoliberale Wirtschaftsstandpunkte“ (11), was hauptsächlich mit dem Einfluss der Ökonomen erklärt werden könne. Und das Populistische öffne die Partei nach rechts, wobei die AfD „auf der Grenze zum Tabubruch“ balanciere, „weil ihr Populismus über Chiffren funktioniert“ (16). Die ideologisch‑programmatische Bandbreite der AfD veranschaulicht Bebnowski anschließend anhand der sieben Europaparlamentarier der Partei und arbeitet auf dieser Basis ein „innerparteiliches Netzwerk“ heraus: Während Bernd Lucke der „Repräsentant der Ökonomenpartei“ (19) sei, gelte Hans‑Olaf Henkel als „Mittler zwischen den Extremen der Mitte“ (24) und Beatrix von Storch als „[r]estaurative Netzwerkerin“ (25). Joachim Starbatty und Marcus Pretzell werden dem rechtspopulistischen Lager zugeordnet, wohingegen Bernd Kölmel und Ulrike Trebesius die „[e]nttäuschten Konservative[n] und neue Basis“ (29) verkörperten. Bei diesem Überblick werden allerdings prominente AfD‑Politiker wie Frauke Petry und Alexander Gauland außen vor gelassen, obwohl deren politische Verortung mit Blick auf die Debatten in der Partei, bei denen es um nicht weniger als die Existenz der AfD geht, interessant gewesen wäre.
Hendrik Träger, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.331 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Träger, Rezension zu: David Bebnowski: Die Alternative für Deutschland. Wiesbaden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38606-die-alternative-fuer-deutschland_47046, veröffentlicht am 02.07.2015. Buch-Nr.: 47046 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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