Portal für Politikwissenschaft

Ulrike Demmer / Daniel Goffart

Kanzlerin der Reserve. Der Aufstieg der Ursula von der Leyen

Berlin: Berlin Verlag 2015; 240 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-8270-1276-0
„‚In jeder Generation gibt es einen Kanzler. In meiner Generation ist das Angela Merkel‘, sagt Ursula von der Leyen immer wieder. Ist das ernst gemeint, oder tarnt sie nur ihren Ehrgeiz als Kanzlerin der Reserve?“, fragen die Focus‑Journalisten Ulrike Demmer und Daniel Goffart, um direkt im Anschluss eine Antwort zu geben: „Wir wissen es nicht. Aber wenn jemand in der CDU die Chance hat, diese Regel zu durchbrechen, dann ist das Ursula von der Leyen“ (237). Das sei dann wahrscheinlich, wenn nach einem freiwilligen Rücktritt der Kanzlerin jemand für eine langfristige Nachfolge gesucht werde; bei einer „Sofortlösung“ (224) komme hingegen auch Wolfgang Schäuble für ein Intermezzo infrage. Dass von der Leyen den Bendlerblock nicht für den Höhepunkt ihrer Karriere halten dürfte, wird auch dem Leser der Biografie über die erste deutsche Verteidigungsministerin klar. Die Christdemokratin habe zu viel Ehrgeiz, um sich mit einem Ministeramt zufriedenzugeben; sie habe „die schiere Lust, sich täglich ins politische Schlachtgetümmel zu werfen“ (89). Dabei bringt sie durchaus auch ihre eigenen Parteifreunde gegen sich auf; erinnert sei an ihre Position zur Frauenquote, die der ihrer Fraktion entgegenstand. Allerdings habe es von der Leyen, „die als Mittelstürmerin der CDU gestartet war, […] im Amt der Bundesarbeitsministerin [auch gelernt], vorsichtig zu spielen, kurze Pässe zu schlagen, den Ball zu halten und vor allem Geduld zu üben und in mühsamen Verhandlungen Kompromisse zu schließen“ (125). Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Übernahme des Kanzleramtes. Eine weitere ist, dass die Tochter des langjährigen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht ein politischer Profi ist und als solcher sich (und ihre Familie) in Szene zu setzen weiß, wobei sie im Zweifel auch nicht vor populistischen Tönen zurückschreckt: „Eines der Paradebeispiele für ihre typische Eigenpropaganda war die Idee vom ‚Familien‑TÜV‘“ (156). Durch solche Aktionen vermittelt von der Leyen aber auch den Eindruck, keine Teamplayerin zu sein. Das könnte ihr den Weg in das Kanzleramt erschweren.
Hendrik Träger, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.32.322 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Träger, Rezension zu: Ulrike Demmer / Daniel Goffart: Kanzlerin der Reserve. Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38604-kanzlerin-der-reserve_46993, veröffentlicht am 02.07.2015. Buch-Nr.: 46993 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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