Portal für Politikwissenschaft

Zivilgesellschaft im Widerstreit

Reinhard Hildebrandt

Zivilgesellschaft im Widerstreit. Konkurrenz zwischen Staat, Ökonomie und Zivilgesellschaft in der Realisierung des gesamtgesellschaftlichen Gemeinwohls

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2015; 211 S.; geb., 44,95 €; ISBN 978-3-631-65876-5
Mit diesem Buch setzt Reinhard Hildebrandt seine vor vier Jahren in „Staat und Zivilgesellschaft“ (vgl. Rezension siehe Buch‑Nr. 41847) begonnene Analyse fort, bleibt allerdings in vielen Bereichen auch hinter den dort präsentierten Erkenntnissen zurück. Was der Autor mit dieser Publikation in erster Linie bezweckt, wird nicht eindeutig ersichtlich. Ging es im Vorgängerband noch um eine konstruktive Kritik und Weiterentwicklung bestehender Zivilgesellschaftsdefinitionen, die die Verknüpfung unterschiedlicher (politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher) Macht‑ und Handlungslogiken nicht ausreichend berücksichtigten, legt Hildebrandt mit diesem Buch eine eher lose Sammlung von Überlegungen zur Frage der Definition des gesellschaftlichen Gemeinwohls vor. Einerseits bietet er den Leser_innen damit einen interessanten (wenn auch oberflächlichen) Überblick sowohl über theoretische Zugänge als auch aktuelle zivilgesellschaftliche Entwicklungen. So werden auch hier wieder vor allem die wechselseitigen Verknüpfungen und Abhängigkeiten zwischen Markt, Staat und Zivilgesellschaft deutlich, etwa in den nicht zu unterschätzenden Bestrebungen, bürgerschaftliches Engagement für politische und ökonomische Zwecke zu vereinnahmen und zu missbrauchen, oder auch die Gefahren, die wachsende soziale Ungleichheiten sowie steigende staatliche Überwachungstendenzen für eine demokratische Zivilgesellschaft darstellen. Andererseits lässt Hildebrandt die Leser_innen mit diesen (keineswegs neuen) Erkenntnissen alleine und belässt es bei der Formulierung von Allgemeinplätzen, etwa wenn er darauf verweist, dass der „Anspruch auf Deutungshoheit [...] erst auf seine Geltungskraft überprüft werden [kann], wenn es gelungen ist, zivilgesellschaftliche Gemeinwohlbelange zu artikulieren und zu einem gesamtgesellschaftlichen zivilgesellschaftlichen Gemeinwohl zu verknüpfen“ (194), andernfalls drohe die Degradierung zu Unterpunkten der von Politik und Ökonomie propagierten Gemeinwohlbelange. Dieser Punkt ist richtig und wichtig – wie solchen Einverleibungstendenzen politisch und gesellschaftlich zu begegnen ist, bleibt jedoch unbeantwortet.
Björn Wagner, Dipl.-Politologe, Dresden.
Rubrizierung: 2.22.222.352.3433.52.3315.41 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Reinhard Hildebrandt: Zivilgesellschaft im Widerstreit. Frankfurt a. M. u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38562-zivilgesellschaft-im-widerstreit_46726, veröffentlicht am 25.06.2015. Buch-Nr.: 46726 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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