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Arabischer Frühling – Transformationsprozesse und politische Umbrüche in der MENA-Region

Jan Kupka / Floyd Mecklenburg (Hrsg.)

Arabischer Frühling – Transformationsprozesse und politische Umbrüche in der MENA-Region. Beiträge zum Nachwuchsförderpreis Goldene Eule 2013 des Bundesverbandes Sicherheitspolitik an Hochschulen

Berlin: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH 2014 (Wissenschaft & Sicherheit. Goldene Eule); 282 S.; 32,- €; ISBN 978-3-8305-3449-5
An kaum einen politischen Umbruch der vergangenen Jahre waren so viele Hoffnungen geknüpft wie an den Arabischen Frühling. Die im diesem Band abgedruckten Gewinnerbeiträge des Nachwuchspreises Goldene Eule 2013, der vom Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen verliehen wird, nähern sich aus politik‑ ebenso wie aus medienwissenschaftlichen Perspektiven an diese Revolutionen etwa in Tunesien und Ägypten an – und an das, was von ihnen geblieben ist. Vinzenz Hokema, Gewinner in der Kategorie Bachelor, richtet seinen Blick auf die Jasmin‑Revolution: „Wie konnte es zu solch spontanen, unorganisierten, weitverbreiteten und andauernden Protesten in Tunesien zum Jahreswechsel 2010/2011 kommen?“ (15) Aus der Perspektive der Theorien sozialer Bewegungen sowie der Praxis‑ und Feldtheorie Pierre Bourdieus kommt er hinsichtlich dieser so grundsätzlichen Frage zu dem leider recht allgemein geratenen Schluss, dass „die Zeit einfach reif“ (57) gewesen sei. Diesem banalen Ergebnis steht indes die theoretische Leistung des Beitrages gegenüber. Hokema kann zeigen, dass komplexe soziale Prozesse, wie revolutionäre Umwälzungen, durch die Strukturierungsleistung unter anderem der soziologischen Theorie Bourdieus zumindest angemessen erfasst werden können. In der Kategorie Master sticht der Beitrag von Amina Rayan hervor, die ebenfalls nach den Auslösern revolutionärer Umbrüche fragt. Im Zentrum ihres Beitrages steht die Anti‑Mubarak‑Bewegung in Ägypten, wie sie ab 2011 politisch wirkmächtig geworden ist. Unter Rückgriff auf das Konzept politischer Opportunitätsstrukturen, dem sie trotz seiner Gebräuchlichkeit in der Erforschung sozialer Bewegungen manifeste Erklärungsdefizite mit Blick auf deren Entstehung attestiert, kommt sie unter anderem zu dem Schluss, dass gerade die digital verfügbaren neuen Medien eine entscheidende Rolle bei der politischen Mobilisierung gespielt haben. Perspektivisch bedeutet diese signifikante Effektivität der Mobilisierung über Social Media: „Hinsichtlich zukünftiger Untersuchungen sozialer Bewegungen ist es sehr wahrscheinlich, dass neue Medien und digitaler Aktivismus eine wichtige Rolle spielen werden.“ (188) Zudem wäre noch zu überlegen, inwiefern deren Aktivierungsleistung von spezifischen gesellschaftlichen Umfeldbedingungen – Grad der Repression, Grad der Demokratisierung etc. – abhängt.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.222.22.253.6 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Jan Kupka / Floyd Mecklenburg (Hrsg.): Arabischer Frühling – Transformationsprozesse und politische Umbrüche in der MENA-Region. Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38549-arabischer-fruehling--transformationsprozesse-und-politische-umbrueche-in-der-mena-region_46859, veröffentlicht am 18.06.2015. Buch-Nr.: 46859 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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