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Die Effektivität interregionaler Kooperation

Thomas J. Fehrmann

Die Effektivität interregionaler Kooperation. Eine vergleichende Untersuchung der interregionalen Handlungsfähigkeit von Regionalorganisationen am Beispiel von ASEAN, EU und MERCOSUR

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Staatsreform in Deutschland und Europa. Der öffentliche Sektor im nationalen und internationalen Vergleich 16); 327 S.; 69,- €; ISBN 978-3-8487-1817-7
Diss. FU Berlin; Begutachtung: J. J. Hesse. – Bei der Erforschung interregionaler Prozesse verschwimmen die „analytischen Grenzen zwischen nationalstaatlicher, regionaler und internationaler/interregionaler Politik“ (29), schreibt Thomas J. Fehrmann und nimmt diesen Befund als Anlass für seine Arbeit. Im Zentrum steht die Frage nach der Effektivität interregionaler Zusammenarbeit, die Fehrmann mit der Handlungsfähigkeit der beteiligten Regionalorganisationen erklären will. Diese wird wiederum durch die internen Wirkungsweisen der Organisationen bestimmt, so die Ausgangsüberlegung. Sein Untersuchungskonzept umfasst als Indikatoren hierfür die drei strukturellen Dimensionen Organisation, Entscheidung und Ressourcen. Diese werden im ersten Hauptteil der Arbeit am Beispiel der Gemeinschaft südostasiatischer Staaten (ASEAN), der Europäischen Union (EU) und des Gemeinsamen Marktes südamerikanischer Staaten (MERCOSUR) ausführlich analysiert. Im Vergleich der drei Organisationen zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich ihrer auswärtigen Handlungsfähigkeit. So folge die personell, finanziell und institutionell unzureichend ausgestatte ASEAN einer auf Unverbindlichkeit reduzierten Handlungslogik. Dem MERCOSUR bescheinigt Fehrmann „deutliche Potentiale für eine ausgeprägte Handlungsfähigkeit“, die allerdings nicht vollständig ausgeschöpft werden, was unter anderem am „Widerspruch zwischen intergouvernementaler Grundlogik und präsidialen Regierungssystemen“ (205) liege. Wenig überraschend erweist sich die EU hingegen „als überaus handlungsfähige Regionalorganisation“ (164). Auf der Grundlage dieser Befunde wird im zweiten Teil die Effektivität der interregionalen Kooperation, hier verstanden als Zusammenarbeit zwischen genau zwei Regionalorganisationen, untersucht. Damit ergeben sich drei Kooperationsverhältnisse, für die der Autor jeweils die Formen, Funktionen, Ziele und Ergebnisse darlegt, um dadurch schließlich die Effektivität der Zusammenarbeit bestimmen zu können. Im Ergebnis dieser vielschichtigen Analyse zeigt sich, dass der MERCOSUR‑EU‑Prozess zwar „den größeren Teil seiner Zielvorgaben erreicht oder zumindest nicht abschließend verfehlt hat“, jedoch „keiner der drei Prozesse als effektive Form der internationalen Zusammenarbeit gewertet werden [kann]“ (276). Interregionale Formen der Zusammenarbeit stellen, so Fehrmanns Fazit, „einen Nebenschauplatz des internationalen Systems dar“ (300).
Anke Rösener, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.53.64.32.682.65 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Thomas J. Fehrmann: Die Effektivität interregionaler Kooperation. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38546-die-effektivitaet-interregionaler-kooperation_46843, veröffentlicht am 18.06.2015. Buch-Nr.: 46843 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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