Portal für Politikwissenschaft

Inter Finitimos 11 (2013/14)

Basil Kerski / Isabel Röskau-Rydel / Krzysztof Ruchniewicz / Sabine Stekel / Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband e.V. / Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław (Hrsg.)

Inter Finitimos 11 (2013/14) Themenschwerpunkt: 1914-1989, das "kurze 20. Jahrhundert"

Osnabrück: fibre 2015 (Jahrbuch zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte); 269 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-938400-98-2
Kriegerische Auseinandersetzungen, deutsche Besatzungs‑ und Vernichtungspolitik, verordnete „Brüderschaft“ im Staatssozialismus, langsame Annäherung in der neuen Ostpolitik, heute zumeist enge Partner in der Europäischen Union – das nach Eric Hobsbawm sogenannte kurze 20. Jahrhundert war gerade für die deutsch‑polnische Beziehungsgeschichte eine turbulente Zeit. Schlaglichter dieser Entwicklung von der Gegner‑ zur Partnerschaft bieten die Beiträge dieser Themenausgabe der deutsch‑polnischen Zeitschrift. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Zeit des Ersten Weltkriegs und der (Nach‑)Wendezeit beziehungsweise auf der Erinnerung daran in beiden Gesellschaften. Krzysztof Ruchniewicz untersucht in diesem Kontext die Darstellung des Ersten Weltkriegs in Schulbüchern aus Deutschland und Polen. Dabei zeigt sich, dass deutsche Lehrbücher sich intensiv um regionale und lokale Kontextualisierungen des Kriegsgeschehens bemühen. Der Krieg an der Ostfront allgemein und die Entstehung unabhängiger Staaten wie eben Polen oder der Tschechoslowakei im Nachgang des Krieges werden demgegenüber kaum thematisiert. Entsprechend ist einleitend zum Band ein „Manifest für eine europäische Erinnerungskultur“ (17) abgedruckt, in dem namhafte Historiker_innen besonders für das Gedenkjahr 2014 zu einer stärkeren Berücksichtigung gerade dieser ostmitteleuropäischen Erfahrungen aufrufen. Neben die demokratischen Aufbrüche der 1920er‑Jahre – gleich, wie diese endeten – treten die friedlichen Revolutionen von 1989. Edda Binder‑Iijima beleuchtet zudem die Renaissance des Mitteleuropa‑Begriffs unter Intellektuellen der Region seit den 1980er‑Jahren. Bei manchen unterschiedlichen Nuancierungen stehe er für die Erkenntnis, dass „in der Verbindung von West und Ost, der Vielfalt von Völkern, Kulturen, Sprachen und Religionen ein besonderer positiver Erfahrungswert liegt und dass dieser Eingang in das kollektive Gedächtnis finden soll“ (80). Einige kürzere Artikel, Projektvorstellungen, Rezensionen und ein Tagungsbericht erweitern den Band über den Themenschwerpunkt hinaus.
Martin Munke, M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.612.232.22.222.12.35 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Basil Kerski / Isabel Röskau-Rydel / Krzysztof Ruchniewicz / Sabine Stekel / Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband e.V. / Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław (Hrsg.): Inter Finitimos 11 (2013/14) Osnabrück: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38476-inter-finitimos-11-201314_47129, veröffentlicht am 28.05.2015. Buch-Nr.: 47129 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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