Portal für Politikwissenschaft

Kinderhandel

Helmut Sax (Hrsg.)

Kinderhandel. Strukturen und Maßnahmen zur Unterstützung betroffener Kinder in Österreich und im EU-Vergleich

Wien/Graz: Neuer Wissenschaftlicher Verlag 2014 (Studienreihe des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte 30); 274 S.; brosch., 38,80 €; ISBN 978-3-7083-0909-5
Wie ist es um die Prävention und Bekämpfung von Kinderhandel und den Schutz von Kinderrechten in Europa bestellt? Forschungsteams aus sechs Ländern haben von 2011 bis 2013 im Rahmen eines von der EU‑Kommission unterstützten Projektes entsprechende Rechtsgrundlagen, Strukturen und Programme in Bulgarien, Ungarn und der Slowakei, die vornehmlich als Herkunftsländer der Opfer von Kinderhandel gelten, sowie in Italien, Österreich und Schweden, die Ziel‑ respektive Transitländer sind, untersucht. In diesem Band werden die Ergebnisse vorgestellt. Er enthält im ersten Teil drei Berichte zur Situation in Österreich, die erstens die rechtlichen Rahmenbedingungen, zweitens die Maßnahmen zur Unterstützung, Betreuung sowie Integration oder Rückführung der betroffenen Kinder und drittens Ansätze guter Praxis umfassen. Im zweiten Teil werden die Ergebnisse der Evaluationen aus allen sechs Ländern zu diesen drei Themenfeldern vergleichend dargestellt, was zwangsläufig mit einigen Wiederholungen verbunden ist. Auffallend ist, dass zwar alle untersuchten Länder nahezu gleichen europäischen und internationalen Verpflichtungen unterliegen, sie sich aber in der Umsetzung erheblich unterscheiden. So wird Italien Vorbildcharakter bei der Identifizierung potenzieller Opfer bescheinigt, Schweden sticht bei der Frage des Zugangs zur Entschädigung hervor und Bulgarien ist das einzige Land, das ein spezielles Gesetz zur Bekämpfung von Menschenhandel erlassen hat. Ein generelles Problem stellt die mangelnde Datenerfassung dar, sodass zu dem Ausmaß und den Dimensionen des Kinderhandels nur Annäherungswerte ermittelt werden konnten. Zudem führen unterschiedliche Datenerhebungsmethoden dazu, dass „Italien Tausende von Kindern als Betroffene identifiziert, [während] in der Slowakei, Schweden und Österreich nur eine Handvoll Fälle registriert [werden]“ (206). Insgesamt belegen die Berichte für alle Länder eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Zwar wird mit nationalen Aktionsplänen oder ähnlich geschaffenen Programmen und Strukturen zur Bekämpfung von Menschenhandel der staatlichen Verantwortung formal Rechnung getragen, doch es „bestehen erhebliche Herausforderungen in Bezug auf die Angemessenheit der Maßnahmen, deren Umsetzung und Nachhaltigkeit“ (210).
Anke Rösener, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.212.2634.424.452.4 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Helmut Sax (Hrsg.): Kinderhandel. Wien/Graz: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38466-kinderhandel_46724, veröffentlicht am 28.05.2015. Buch-Nr.: 46724 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...