Portal für Politikwissenschaft

Vom Fordistischen zum Kompetitiven Merkantilismus

Stefan Beck

Vom Fordistischen zum Kompetitiven Merkantilismus. Die Exportorientierung der Bundesrepublik Deutschland zwischen Wirtschaftswunder und Europäischer Krise

Marburg: Metropolis-Verlag 2014 (Hochschulschriften 145); 426 S.; 38,- €; ISBN 978-3-7316-1074-8
Diss. Kassel; Begutachtung: C. Scherrer, H. Herr. – Stefan Beck will zu einer angemessenen Beurteilung dessen kommen, was in der politisch‑ökonomischen Diskussion als „Modell Deutschland“ bezeichnet wird, also der gesamtwirtschaftlichen Fokussierung auf Exportüberschüsse, ohne dass die Binnennachfrage damit Schritt hält. Dabei geht er mit Blick auf die (west‑)deutsche Nachkriegssituation von der These aus, „dass der Merkantilismus bzw. die den Überschüssen zugrunde liegende Exportorientierung der Bundesrepublik eine prägende Rolle gespielt hat und unmittelbar für die Wachstumsschwäche seit den achtziger Jahren mitverantwortlich gemacht werden kann“ (21). Um diese These zu untermauern, gliedert Beck die Arbeit in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Im theoretischen Teil skizziert er die Zusammenhänge von Export und Wachstum und unterscheidet dabei verschiedene Entwicklungsphasen in Deutschland – ressourcenalimentiertes Wachstum in den 1950er‑ und 1960er‑Jahren, politikimplementiertes Wachstum seit den 1970er‑Jahren. Im empirischen Teil nimmt er diese Differenzierung auf. Dieser Teil erscheint in seiner gleichermaßen explorativen wie deskriptiven Herangehensweise an den fordistischen ebenso wie an den kompetitiven Merkantilismus der Gegenwart eher als eine „alternative Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik“ (25). Deren Pointe besteht darin, dass sie die Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft dahingehend entlarvt, dass mitnichten von einer ökonomischen Stärke gesprochen werden kann, die aus der Zusammenschau von Exportüberschüssen und Wachstum resultiert. Stattdessen deute, so Beck, vieles lediglich auf eine Umverteilung ökonomischer Risiken hin: „Letztlich beruht die Stabilität des kompetitiven Merkantilismus wesentlich auf einer breiten Streuung oder Umverteilung der ökonomischen Lasten überwiegend zu Ungunsten gering organisierter Teile der Gesellschaft.“ (364) Dementsprechend ist sich Beck auch hinsichtlich seiner Einschätzung der gegenwärtigen europäischen Krisenpolitik infolge der Wirtschafts‑ und Finanzkrise sicher: „Insbesondere nach dem Jahr 2000 gingen erheblich zunehmende Exportüberschüsse mit einer ausgeprägten binnenwirtschaftlichen Konsum‑ und Wachstumsschwäche einher und haben zu den massiv angewachsenen Ungleichgewichten in der Eurozone beigetragen.“ (367) Becks materialreiche Studie bietet hinreichend Anlass, die bislang praktizierte Wirtschaftspolitik zu überdenken.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.3132.3424.212.3154.43 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Stefan Beck: Vom Fordistischen zum Kompetitiven Merkantilismus. Marburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38464-vom-fordistischen-zum-kompetitiven-merkantilismus_46693, veröffentlicht am 28.05.2015. Buch-Nr.: 46693 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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