Portal für Politikwissenschaft

Markt und Moral

Colin Crouch

Markt und Moral. Im Gespräch mit Peter Engelmann. Aus dem Englischen von Georg Bauer

Wien: Passagen Verlag 2014 (Passagen Gespräche 2); 134 S.; 14,45 €; ISBN 978-3-7092-0110-7
Colin Crouch, der in „Postdemokratie“ (siehe Buch‑Nr. 34827) eine pointierte Kritik ökonomisch bedingter Erosionstendenzen moderner Demokratien vorgelegt hat, befasste sich in seinen folgenden Publikationen („Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus“, siehe Buch‑Nr. 41291, sowie „Jenseits des Neoliberalismus“, siehe Buch‑Nr. 43925) mit Möglichkeiten einer Einhegung der globalisierten Ökonomie. Dieser Band enthält zwei Gespräche, die der Herausgeber der Reihe 2013 mit Crouch anlässlich der Präsentation von „Jenseits des Neoliberalismus" in Wien geführt hat. Im ersten Gespräch werden Widersprüche des Neoliberalismus, die Amoralität des Marktes, das Verhältnis von Individuum und Kollektiv und schließlich politische Implikationen des beruflichen Wandels angesprochen. Im zweiten Gespräch geht es um Fragen der Begründbarkeit und Formen der Marktkorrektur sowie um politische Auseinandersetzungen auf internationaler Ebene. In thematischer Hinsicht bilden die Gespräche ein Supplement zu den beiden 2012 und 2013 erschienenen Büchern und bieten für die mit diesen Studien Vertrauten eher Erläuterungen und Ergänzungen des bereits Gesagten. Wie dort argumentiert Crouch auch hier für eine systemimmanente – also grundsätzlich marktwirtschaftliche – Alternative gegenüber den zunehmenden Tendenzen einer Unterordnung von Politik unter eine verselbstständigte Marktlogik. In strategischer Hinsicht setzt er dabei auf eine selbstbewusste und durchsetzungsfähige Sozialdemokratie, die offen ist für Impulse der Zivilgesellschaft. Zwar ist der Markt als Koordinationsmechanismus staatlicher Zentralisierung überlegen, allerdings nur, wenn politisch wirkungsvolle Regularien zum Umgang mit negativen Externalitäten und der Ungleichheit in der Verteilung von Einkommen und Macht bestehen. In diesem Zusammenhang muss der Gedanke kollektiver Interessen klarer, nämlich situationsspezifisch und nicht als allgemeines Konzept formuliert werden. Ob Externalitäten neutral, negativ oder positiv sind, lässt sich nur unabhängig von ökonomischen Effizienzkriterien im Rahmen einer Wertedebatte klären.
Thomas Mirbach, Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.225.41 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Colin Crouch: Markt und Moral. Wien: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38431-markt-und-moral_45367, veröffentlicht am 21.05.2015. Buch-Nr.: 45367 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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