Portal für Politikwissenschaft

Friedbert W. Rüb (Hrsg.)

Rapide Politikwechsel in der Bundesrepublik. Theoretischer Rahmen und empirische Befunde

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Zeitschrift für Politik. Sonderband 6); 270 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8487-0820-8
„Warum finden rapide Politikwechsel meist ohne Regierungswechsel statt und warum halten Regierungswechsel oft nicht das, was sie versprechen, nämlich Politikwechsel?“ (11) Diesen und anderen Fragen gehen Friedbert W. Rüb sowie zehn weitere Autoren nach. Zunächst führt der Herausgeber in hervorragender Weise in die Materie ein, indem er unter anderem erklärt, was einen Politikwechsel von einer reinen Anpassung unterscheidet; nämlich dass „sich auf der Ebene der ‚policy beliefs‘ eine Veränderung vollzieht, die auch in den Bereich des ‚deep core‘ hineinreicht“ (16). Insgesamt werden vier Typen von Policy‑Variationen unterschieden: „inkrementale Politikveränderung“, „umfassender Politikwandel“, „rasche Politikwende“ und „rapider Politikwechsel“ (18). Rapide Politikwechsel selbst „können sich grundsätzlich durch vier Modi vollziehen, nämlich durch Zufall, durch Koalitionen bzw. Verhandlungen, durch politische Unternehmer und schließlich durch Protest von ‚unten‘“ (20). Um den Fragen nach den Ursachen für Politikwechsel nachgehen zu können, konzipiert Rüb ein „kausales Modell rapider Politikwechsel“ (27). Dieses Modell wird nach den Fallstudien etwas modifiziert, indem der Aspekt der Entscheidungsarena integriert wird. Zuvor analysieren die anderen Autoren in Beiträgen mit unterschiedlicher sprachlicher und methodischer Qualität Entscheidungen in verschiedenen Politikfeldern (unter anderem Energie‑ und Arbeitsmarktpolitik). Mit Blick auf die Aussetzung der Wehrpflicht schreiben Sebastian Harnisch und Simon Weiß: „Theoretisch betrachtet geht der rapide Politikwechsel also auf einen konstitutionslogischen Wandel, d. h. auf die Veränderung der sicherheitspolitischen Rolle der Bundesrepublik Deutschland und der Exekutive gegenüber den eigenen (männlichen) Bürgern zurück“ (236). In einem dem Fazit des Herausgebers vorgeschalteten Kommentar weist Manfred G. Schmidt auf eine wichtige methodische Schwierigkeit hin: „Rapide Politikwechsel sind weitgehend Forschungsneuland, bei dem unklar ist, woraus die Grundgesamtheit besteht und wo und wie repräsentative Stichproben zu ziehen wären“ (240).
Hendrik Träger, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Magdeburg und Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.
Rubrizierung: 2.344.212.322.331 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Träger, Rezension zu: Friedbert W. Rüb (Hrsg.): Rapide Politikwechsel in der Bundesrepublik. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38403-rapide-politikwechsel-in-der-bundesrepublik_45583, veröffentlicht am 13.05.2015. Buch-Nr.: 45583 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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