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Entwicklungspolitik als Arbeitspolitik

Markus Demele

Entwicklungspolitik als Arbeitspolitik. Kultursensible Decent Work-Strategien der International Labour Organization

Marburg: Metropolis-Verlag 2013 (Hochschulschriften); 519 S.; 44,80 €; ISBN 978-3-7316-1021-2
Diss. Bremen; Begutachtung: E. Senghaas‑Knobloch. – Vor dem Hintergrund zunehmender Kritiken an entwicklungspolitischen Akteuren und Praktiken analysiert Demele mit der Arbeitspolitik ein bislang eher vernachlässigtes Feld entwicklungspolitischer Initiativen. Die Bedeutung der Thematik leitet er von der These ab, „dass die Notwendigkeit von Entwicklungspolitik […] in der zentralen Konfliktlinie begründet ist, die das Verhältnis von Kapital und Arbeit darstellt“ (19). Der Autor nimmt die „Agenda für menschenwürdige Arbeit“ (Decent Work Agenda) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als Ausgangspunkt und untersucht die Umsetzung, Auswirkungen und Probleme der Agenda am Beispiel des ILO‑Landesprogramms für Kenia. Einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der Arbeits‑ und Funktionsweise der ILO sowie einer detaillierten Betrachtung der entwicklungstheoretischen Aspekte der Agenda folgt eine kritische Diskussion des Stellenwerts kultureller Aspekte der Decent‑Work‑Strategie: Demnach werden kulturelle Phänomene entweder als bewahrenswert oder aber als Entwicklungshemmnisse definiert, während arbeitspolitische Entwicklungsinitiativen allein einem ökonomischen Reduktionismus unterliegen. Demele arbeitet diesen Punkt anhand seiner Länderstudie zu Kenia aus und zeigt, dass das ILO‑Landesprogramm der spezifischen soziokulturellen Prägung kenianischer Produktions‑ und Wirtschaftsstrukturen nur sehr begrenzt Rechnung tragen kann. Diese Einschätzung ändert freilich nichts an seiner Schlussfolgerung, dass Entwicklungspolitik verstärkt als Arbeitspolitik zu gestalten gilt, die mittels eines „fokussierte[n] Sozialdialog[s]“ (382) eine Verknüpfung von beschäftigungs‑, sozial‑ und wirtschaftspolitischen Fragen vornimmt, anstatt sich auf eine rein alimentierende und/oder wettbewerbsfördernde Entwicklungspolitik zu beschränken. Im Rahmen der Agenda für menschenwürdige Arbeit sollte der ILO hierbei eine zentralere Rolle als bisher in der Global‑Governance‑Architektur zukommen, angesichts der hier aufgedeckten Unzulänglichkeiten legt der Autor ihr jedoch noch einige strategische Empfehlungen ans Herz.
Björn Wagner, Dipl.-Politologe, Dresden.
Rubrizierung: 4.44 | 4.3 | 4.43 | 2.67 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Markus Demele: Entwicklungspolitik als Arbeitspolitik. Marburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38376-entwicklungspolitik-als-arbeitspolitik_45196, veröffentlicht am 07.05.2015. Buch-Nr.: 45196 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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